.. hatte ich bereits vor einiger Zeit versprochen und kann es nun endlich einlösen: Unter http://www.surveymusikundmedien.de lassen sich ab sofort vielfältige Infos zu Forschungsdesign, Projektfortschritt und ersten Ergebnisse zu der Frage „Wie hören die Deutschen heute Musik?“ abrufen. Momentan finden sich dort vor allem die quantitativen Ergebnisse der repräsentativen Bevölkerungsumfrage, diese werden aber in den kommenden Monaten sukzessive ergänzt, sobald auch Ergebnisse der Interviewstudie vorliegen. Ich wünsche viel Spaß beim Stöbern und freue mich über Feedback und konstruktive Kritik.

04.02.2013

… das waren die drei Schlagworte einer hochinteressanten medienwissenschaftlichen Tagung zum Thema „Verflechtungen“ , die in meiner Heimatstadt Braunschweig vom 31.1. bis 2.2. 2013 stattfand.

Ich möchte hier vier persönliche Highlights hervorheben, die ich teilweise mit dem N9 mitgeschnitten habe. Das war spontan, also bitte nicht zu viel Qualität erwarten, zum Verstehen sollte es aber reichen und ein Band zur Tagung ist ja ohnehin wohl bereits in Planung. Ich stell die Audiofiles aus Platzgründen hier auch nur kurzzeitig rein, als Service für einige Anwesende/Abwesende, die daran Interesse hatten, also bitte abspeichern, wer es länger behalten will.

Werner Schneider (Augsburg) stellte noch einmal den von Ihn in Zusammenarbeit mit Andrea Bührmann entwickelten Ansatz einer sozialwissenschaftlichen Dispositivanalyse vor („Dispositive… – überall (und nirgendwo)? Anmerkungen zur Theorie und methodischen Praxis der Dispositivforschung“). Ich finde diese methodologische Initiative bis heute sehr interessant und genügend offen, um an eigene Arbeiten anschlussfähig zu sein, wobei ich (mit Alex Geimer) denke, dass es Sinn macht, sich auch ein Stück mal von der Foucault-Exegese wegzubewegen und ganz forschungspragmatisch zu überlegen, wie man mit dem Konzept weiterkommt, aber das sieht Herr Schneider, glaube ich, auch so. Hier der Mitschnitt, leider nicht optimal von der Qualität

Rainer Leschke(Siegen) hielt einen genialen, teilweise amüsant polemischen Vortrag („Die erstaunliche Einsamkeit des Mediendispositivs in der Vielheit der Medien“), der nicht nur die Geschichte der Medienwissenschaften in Deutschland nachzeichnete, sondern eben auch die Karriere des Dispositivbegriffs innerhalb dieser aufzeigte. Ich kann mich seinem Plädoyer, das Dispositiv im Sinne eine Beschreibungssprache zu verwenden, um „Hermeneutik zu rationalisieren“, anstatt es zur Mystifikation im Sinne einer Metapher zu verwenden, in der Sache nur aus vollem Herzen anschließen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das von einem Großteil des Publikums auch so gesehen wurde. Hier der Mitschnitt, der mediokre Qualität hat.

Manuel Zahn (Hamburg) hielt den für mich aufregendsten Vortrag der Tagung („Das Kino als Dispositiv filmischer Bildung“), da er im Grunde in Bezug auf das Kinodispositiv mit nicht viel weniger beschäftigt zu sein scheint, als ich es auch zur Zeit in Bezug auf auditive Medien bin: Die Frage, wie man mediatisierte Kommunikation nochmal jenseits des Verstehens und der Aneignung semantischer Bedeutungen als körperlich performative Praxis der „Hingabe“, die Subjektivierungen hervorbringt neu beschreiben könnte. Dafür führt er die sehr interessante Unterscheidung von „Kraft“ vs. „Macht“ ein. Ich bin sehr gespannt, wie er diese Ideen in Zukunft weiterentwickeln wird. Hier der qualitativ am besten geratene Mitschnitt, dafür fehlt leider die erste Minute..

Malte Pelleter (Lüneburg) stellte schließlich in seinem Beitrag („Grammophon-Erziehung und Beat-Bildung. Szenen medien/musikalischer Bildungs-Phantasmen – 1900/2000“) vor, welche frappierenden Parallelen (aber auch Unterschiede!) zwischen medienpädagogischen Ideen zum Grammophon zum Beginn des 20. Jahrhunderts und der Breakbeat-Science von Kodwo Eshun bestehen. Neben dem Inhalt ist hier auch der Vortragsstil unter Verwendung zahlreicher Audio-Samples zu loben. Hier war leider mein Handy-Akku aufgebraucht (ein hoffentlich bald zu lösendes Problem der Smartphones).

Zum Schluss ein dickes Lob an die ausrichtenden Veranstalter Julius Othmer und Andreas Weich vom Studiengang Medienwissenschaften in Braunschweig, die das Ganze nicht nur logistisch super organisiert haben, eine interessante Gästezusammenstellung generiert haben, sondern auch verstanden haben, wie man die Öffentlichkeit und Sichtbarkeit für solche und ähnliche Veranstaltungen herstellen kann, die sie verdienen. Das lässt auch vieles für die frisch gegründete AG Medienkultur und Bildung der Gesellschaft für Medienwissenschaft erwarten.

28.01.2013

Drei zentrale Aspekte..

von Steffen Lepa

.. meines aktuellen Forschungsprojekts „Survey Musik und Medien“ waren der Inhalt einer Präsentation, die ich am vergangenen Donnerstag beim ZeMKI-Forschungskolloquium der der Universität Bremen auf Einladung gehalten habe. Aufgrund von Nachfragen hier nochmals das audiovisuelle Begleitmaterial zum Vortrag:

 

Ich bin in der letzten Zeit sehr mit einigen Tagungen und Artikeln beschäftigt gewesen, so dass ich länger nicht mehr zum bloggen kam. Daher hier nun ein paar Updates über die Aktivitäten der letzten Zeit, angereichert mit  Gedanken zum Tages- und Weltgeschehen:

Anfang Juni hatte ich zunächst die Ehre, meine erste „Invited Keynote“ zu halten, dies überdies auf Englisch: Auf der „DAAD Summer School for German Studies“ im schönen (aber kalten) Edinburgh, die sich dem Thema der „Stimmungen“ verschrieben hatte, hielt ich einen Vortrag zum Thema „Attuning with the Artwork – Theodor Lipps‘ Concept of Aesthetische Einfühlung and the Case of Mediatized Music“. Im Wesentlichen ging es mir im Vortrag darum aufzuzeigen, wie aktuell heute noch die Ideen der sogenannten „Einfühlungspsychologie“ in Tradition Theodor Lipps sind und wie sie mir insbesondere beim Verständnis der ästhetischen Erfahrungen beim (medialen) Musikhören helfen konnten. Die Tagung hatte ansonsten ein buntes und interessantes Programm mit sowohl historischen als auch zeitgenössischen Themen, die alle um Stimmungen, Atmosphären und Affekt kreisten, es waren auch ein paar andere Kollegen aus dem Exzellenzcluster dort, mit denen man sich kurzweilig die Zeit bei den „Socials“ in diversen Pubs vertreiben konnte. Außerdem lieh ich mir auch ein Fahrrad und erkundete ein wenig die umliegenden Highlands und den UK-Linksverkehr. Da es leider keinen Tagungsband gibt, hoffe ich auf die Gelegenheit, den Vortrag noch in überarbeiteter Form irgendwo in Zukunft publizieren zu können. Der bei der Vorbereitung vorgenommene Streifzug in die Frühzeit der Sozialwissenschaften und Psychologie war für mich hochinteressant, sehr hilfreich waren dabei insbesondere die digitalen Archive des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte und natürlich vom Internet Archive.

Der Sommer war dieses Jahr im Hinblick auf das Wetter leider sehr enttäuschend. Ich hatte mir viele Fahrradtouren durch Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Südschweden und Polen vorgenommen, konnte aber aufgrund von Kälte und Regenfällen leider nur einen Bruchteil davon realisieren, auch einige geplante Musik Open Air Festivals habe ich daher nicht besucht. Nichtsdestotrotz gelang mir dennoch, mich gut zu erholen und im Anschluss die Planung der Experimente für meine aktuelle Studie voran zu treiben und zwei weitere Vorträge vorzubereiten.

Dies waren einerseits eine Vorstellung und wissenschaftstheoretische Einordnung des in meiner Dissertation entwickelten Verfahrens der Postrezeptiven Lesartenanalyse (PLA) auf der Jahrestagung der Fachgruppe „Methoden“ der DGPUK, die unter dem (für mich sehr passenden) Motto „Standardisierung und Flexibilisierung“ stand. Sehr interessant fand ich den ebenfalls dort vorgestellten Mixed Methods Ansatz von Eva Baumann. Vielleicht wird sich in naher Zukunft gar ein Trend der Einsicht abzeichnen, dass bestimmte Grundprobleme der Medienrezeptionsforschung weder ausschließlich qualitativ noch quantitativ befriedigend angegangen werden können? Man wird sehen.. Als weiteren wichtigen und guten Beitrag dieser Konferenz möchte ich noch den Vortrag von Christoph Klimmt und Alexanda Sowka hervorheben, in dem pointiert auf viele bestehende  Probleme bei der Operationalisiserung von Medienkompetenz eingegangen wurde.

Mein zweiter Vortrag fand vergangene Woche im Rahmen der GfM-Jahrestagung zum Thema „Dysfunktionalitäten“ statt. Es ging mir darum aufzuzeigen, wie die realistische Wahrnehmungsökologie James J. Gibsons dabei helfen kann, Medientheorie und Psychoakustik so zu verbinden, dass sich Probleme beim Verstehen der Phänomenologie alltäglichen Musikhörens konstruktiv angehen lassen, es war gewissermaßen eine Weiterführung meines Artikels im demnächst bei Transcript erscheinenden Bands „Auditive Medienkulturen“ (herausgegeben von Axel Volmar und Jens Schröter). Es wäre zu viel verlangt, alle interessante Vorträge der vergangenen 4 Tage hier zusammenzufassen, daher möchte ich nur ein paar wichtige genannt haben: Zunächst natürlich die Keynote von Rick Altman über „alten Wein in neuen Schläuchen“, der anhand der Vermarktung von Ton-Bild-Synchronisationstechnik und Mikrofonen das (nicht immer einfach) Zusammenspiel zwischen „Ingenieursdenke“, Marketing und Alltagspraxis der Nutzer aufzeigte. Weiterhin zu nennen wäre der Vortrag von Marcus S. Kleiner über die Dialektik von Subversion und Kommerz in der Populärkultur, sowie des „Clusterkollegen“ Julian Hanichs Beitrag zu Ärger, Scham und Ekel bei der Kinoerfahrung. Das Panel der AG „Akustische Medien“ (demnächst vielleicht unter neuem, die Medienentwicklung reflektierenden Namen) brachte schließlich erwartungsgemäß die für mich spannendsten Vorträge. Zu nennen wäre hier insbesondere die Beiträge von Thomas Wilke („Scratch that! Vom störenden Geräusch zur komplexen Performance“) und Carla Müller-Schulzke („Störgeräusche an den Rändern des urbanen Raumes“).

Zwei aktuelle Phänomene im politischen Geschehen der letzten Zeit bedürfen schließlich auch noch eines Kommentars: Einerseits ist dies der Aufstieg der Piratenpartei in die bundesdeutsche mediale Aufmerksamkeitsökonomie durch ihren Achtungserfolg bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Ich kann diesen nur begrüßen, allein schon weil Wahlanalysen zeigen, dass diese Partei als einzige scheinbar etwas gegen Politikverdrossenheit in dieser Republik zu unternehmen in der Lage ist. Zudem freue ich mich natürlich auch, selbst in dem Wahlkreis zu leben, in dem die Piraten ihr mit ca. 23% ihr zweitstärkstes Ergebnis in Berlin eingefahren haben. Ob die Piraten als Partei tatsächlich einen neuen Politikstil befördern werden oder schnell der unseligen „Vergrünung“ anheim fallen, bleibt noch abzuwarten. Es steht aber fest, dass sie schon jetzt ihr wichtigstes Ziel erreicht haben: Weder Politik noch Medien kommen in Zukunft um die öffentliche Verhandlung zentraler Fragen von Transparenz, Direkter Demokratie, Netzpolitik und Bürgerrechte noch herum. Da sich bislang KEINE Partei (und am wenigsten die vielleicht „usrprünglich zuständige“ FDP) damit ernsthaft befasst hat, ist dies ein schöner Erfolg. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten dadurch viele Interessante Entwicklungen erleben, wie sich jetzt schon durch den Bundestrojaner-Hack-Scoop abzeichnet, dem (ausgerechnet) das Sturmgeschütz des Konservativismus ein prominentes Forum bietet. Allerdings erfindet sich ja das konservative Lager zur Zeit eh neu, wie schon an Schirrmachers überraschenden Äußerungen zur Finanzkrise der letzten Zeit ersichtlich wurde.

Anonsten ist noch der Erfinder der weißen Computer mit abgebissenen Äpfeln drauf verstorben. Für mich eine Figur wie Thomas Alvar Edison, der deren Schicksal teilt, für die falschen Dinge verehrt und geheiligt zu werden. Der einzig gute Nachruf fand sich dieser Tage im ehemaligen Nachrichtenmagazin. Ich ahne schon, dass die Verklärungen in Zukunft noch zunehmen werden, etwa wird man vermutlich bei der Vorstellung jedes neuen iPhone-Modells Fragen danach lesen müssen, ob dies „unter Steve“ auch so gelaufen wäre, etc. pp.  Auch hier gilt aber natürlich der alte Spruch des Zen-Meisters: Man wird sehen…

05.05.2011

..wird hier in pointierter Sicht von Guenther Dueck bei einem Vortrag auf der re:publica XI dargestellt:

Natürlich mit sehr vielen Vereinfachungen und Überzeichnungen – aber ich denke ein paar der angeführten Punkte sind durchaus diskussionswert. Problematisch finde ich auch (liebe Leser aus dem Bereich Erziehungswissenschaften/Medienpädagogik) übrigens weniger die Darstellung der real-existierenden Schule / Pädagogik und deren Menschenbilder, sondern eher dass er vergisst zu erwähnen, dass seine Bildungsideen nun wahrlich weder von ihm erfunden, noch im pädagogischen Diskurs unbekannt sind. Aber als Plädoyer und in der Verknüpfung mit der medientheoretischen Vision und dem Vortragswitz schon ein guter „Aufwecker“ für die ewig Gestrigen.

Emmanuel Goldstein ist nun angeblich tot. Zeit also, inne zu halten und sich die Frage zu stellen, ob sich nun der ganze Rummel um ihn für irgendjemanden auch nur ansatzweise ausgezahlt hat.  Beim darüber nachdenken fallen mir nicht viele Menschen ein, für die es sich wirklich nachhaltig im positiven Sinne gelohnt hätte, selbst was diejenigen angeht, die das wohl mal eine Weile dachten. Also lassen wir so einen flachen dümmlichen todbringenden Quatsch in Zukunft besser lieber sein – und freuen uns, dass „die Leute“ ™  vielleicht doch ein wenig schlauer sind.  Naja, vielleicht war auch der große Bruder zu dämlich. Man weiß es nicht. Abwarten und Tee trinken. Ich hoffe jedenfalls das Beste für die Zukunft.

Whatever, es gilt noch zwei wissenschaftliche Tagungen nach zu besprechen, darauf hat mich Alex vorgestern beim Kreuzberger MyFest, wo ich mich ob des schlechten Wetter leider erneut erkältet habe, zu Recht hingewiesen.

Nun also: In Zagreb fand Anfang April die Tagung „New challenges and methodological innovations in European media audience research„, finanziert durch die EU COST Action IS0906 statt. Im von den Temperaturen her geradezu frühsommerlichen Kroatien trafen sich bei blendendem Wetter über 300 Profi- und Nachwuchswissenschaftler aus den Medien- und Kommunikationswissenschaften um bei gutem Essen und günstigem Bier und Wein entlang von mehr als 60 englischsprachigen Vorträgen verteilt über mehr als 20 Panels (in der Regel 2-3 parallel)  über die Herausforderungen der Rezeptionsforschung im 21. Jahrhundert zu diskutieren, die kollektiv insbesondere entlang der Achsen bzw. Schlagworte  Mobilität, Crossmedialität und Medienkonvergenz gesehen wurden. Die Qualität der Beiträge war, wie so oft bei internationalen Tagungen, sehr heterogen.  Sternstunden waren für mich insbesondere die Beiträge von ex-ICA-Präsidentin Sonia Livingstone zu Problemen bei der Implementation von Medienkompetenzförderprogrammen und Klaus Bruhn Jensen über seine Theorie des Three-Step-Flows der Medienkommunikation. Methodisch ansprechend fand ich ferner den Vortrag von Cedric Courtois und Peter Mechant (Ghent) über Möglichkeiten, Web 2.0 APIs zur Unterstützung von Social Media Forschung einzusetzen und dies mit Strukturgleichungs- und Wachstumskurvenmodellierung zu verknüpfen. Ebenfalls sehr Interessant und mit ähnlichen Impetus wie der Vortrag, den Alex Geimer und ich über unseren Ansatz einer sozialwissenschaftlichen Mediendispositivanalyse hielten, war die Keynote von Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut über Medienrepertoire-Analysen und der Vortrag von seiner Frau Ingrid Paus-Hasebrink (Uni Salzburg) über ihr Projekt zur Nutzung von Medienangeboten innerhalb von Familien. Richtig negativ ist mir eigentlich nichts auf der Tagung aufgefallen, außer vielleicht das manche Kollegen das enge Zeitbudget zu strecken versuchten, in dem sie wirklich wasserfallartig sprachen (und ich meine wirklich zu schnell!). Die Betreuung, Verköstigung und Gastfreundschaft waren jedenfalls super und ich hoffe, dass es noch den angekündigten Tagungsband geben wird. Die sich quer über die ganze Tagung ziehenden Schlüsselthemen waren für mich Medienkompetenz und Medienrepertoires, sicher nicht ganz unbeeinflusst durch persönliche Vorlieben.

Unter gänzlich anderen Vorzeichen und insbesondere anderen Witterungsbedingungen fand in Bremen die internationale Tagung „Mediatized Worlds“  als Auftakt des DFG-Schwerpunktprogramms „Mediatisierte Welten“ unter Leitung des renommierten Bremer Kommunikationswissenschaftlers Friedrich Krotz statt. Diese war etwas kleiner (130 WissenschaftlerInnen) und,  (bei dem Thema kaum verwunderlich) viel stärker soziologisch geprägt als Zagreb und durch deutsche, englische und skandinavische ForscherInnen dominiert. Ich selbst stellte dort meinen Ansatz zur Mixed-Method-Medienrepertoire-Analyse in Bezug auf die Nutzung technischer Musikabspielmedien vor, der im Panel zu „Mediatized Art and Music“ verortet worden war. Highlights der Tagung waren für mich die Vorträge von Jan H. Passoth (Bielefeld) zum „Quantifizierten Zuhörer“, sowie die Keynote von Stig Hjarvard, in der er versuchte, theoretische und methodologische Brücken zwischen dem auf der Tagung theoretisch diskutierten Makroprozess (Mediatisierung) und empirisch untersuchten Mikroprozessen (Mediation) zu schlagen, und letztere vor allem mit James J. Gibson Affordanztheorie zu verstehen suchte (auf die ich mich in einem aktuellen Paper auch beziehe). Außerdem beachtlich war der Vortrag von Wolfgang Reißmann zum Gebrauch von Fotos in Social Networks durch Jugendliche. Leider war ich schon am ersten Tag (auch während meines Vortrags) sehr stark erkältet (wohl noch eine Folge des Klimawechsels, zwischen Zagreb und Bremen lagen nur wenige Tage), so dass ich mich entschloss, das frühmorgendliche Panel am zweiten Tag auszusparen, so dass mir der Vortrag von Ulrike Wagner (jff) über das Informationsverhalten Jugendlicher entging. Sehr spannend waren jedoch die Vorträge von Corinna Peil zum Domestication Approach und Michael S. Daubs zum inhärenten ideologischen  Paradoxon der Piratenpartei. Alles in allem waren die Vorträge im Vergleich zu Zagreb hier in Bremen  größtenteils inhaltlich deutlich anspruchsvoller – allerding scheint mir ein grundlegendes Problem der empirisch ausgerichteten Projekte darin zu liegen, den Meta-Prozess „Mediatisierung“, wie Krotz ihn fasst, mit Mikrophänomenen der Mediation, wie die dominierend eingesetzten qualitativ-interpretativen Forschungsmethoden sie herausarbeiten, schlüssig zu verknüpfen. Dies scheint mir ein Wiederaufflackern alter Probleme von Handeln und Strukturen zu sein, die ja in der Soziologie nix Neues sind, aber ich hätte mir schon irgendwie eine Bemerkung oder einen Kommentar  dazu gewünscht, ob denn sowas wie ein „Badewannenmodell der Mediatisierung“ theoretisch angedacht ist. Mein Vortrag schlug letztlich auch in diese methodologische Bresche (wenn auch auf andere Weise)  und wurde, so weit ich das beurteilen kann, recht positiv aufgenommen.

Soweit also zu den letzten Highlights aus der Welt der Tagungen – nun begann vor kurzem in Berlin das Sommersemester und ich bin recht stark durch mein aktuelles Seminar zur empirischen Rezeptionsforschung eingespannt. Nichtsdestotrotz macht es auch durchaus viel Spaß mal wieder zu lehren und interessante inhaltliche Anregungen und neugierige Fragen von Studierenden zu bekommen.

15.01.2011

.. waren das Thema einer durch die AG Populärkultur der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) an der Hochschule für Musik und Tanz Köln am letzten Wochenende durchgeführten Tagung. Leider konnte ich aufgrund eines anderen Vortrages am LoE-Cluster nur Teile der Präsentationen am Eröffnungstag sehen. Wie ich hörte, hat aber Lothar Mikos die Tagung in seiner Keynote mit einem Plädoyer für Interdisziplinarität und Mixed Methods eröffnet – was ich natürlich nur ausdrücklich befürworten kann. Ansonsten konnte ich aber einige sehr spannende Vorträge genießen, was mir insbesondere auffiel, war die Leidenschaft, mit der eigentlich alle Vortragende ihre Themen präsentierten – PopulärkulturforscherInnen wird ja häufig die mangelnde Distanz zu ihren Themen vorgeworfen. Wenn dies allerdings gleichzeitig bedeutet, dass sie ihre Themen mit Leidenschaft und Herzblut präsentieren und diskutieren wie in Köln- könnte es sich lohnen dies zunächst mal in Kauf zu nehmen. Mangelnde persönliche Distanz muss ja nicht mangelndes Methodenbewusstsein und mangelnde Systematik bedeuten. Sind nicht vielleicht wissenschaftliche Methoden (insbesondere die empirischen) geradezu darauf ausgerichtet, auch bei einem Gegenstand, der einen betrifft, anrührt, mitnimmt, den eigenen Blick zu reflektieren und systematisieren? Wenn „uns“ an Phänomenen der Populärkultur interessierten ForscherInnen das schlüssig gelänge, habe ich keine Bedenken für die Zukunft der Populärkulturforschung – auch als empirische Forschungsrichtung. Die Diskussion dieser und anderer Fragen lässt sich in dem bald erscheinenden Tagungsband nachlesen, zu dem ich auch einen Beitrag beisteuern werde, welcher sich auf die zur Zeit vor allem in Großbritannien zu beobachtenden Tendenzen zur methodologischen Verbindung von Wahrnehmungsökologie und Musiksoziologie bezieht und  den ich am Schluss der Tagung präsentiert habe.

Update: Es gibt eine Rezension der Tagung beim Landesmusikrat NRW. Mein kurzfristig für den Vortrag ausgesuchtes Klangbeispiel scheint ein sehr viables Mem zu sein 😉

Es scheint sich zum Jahreswechsel  immer mehr abzuzeichnen: Das vorgebliche „Ende der Geschichte“ war eigentlich nur der Anfang. Zum Ende eines Jahrzehnts voller trauriger Entwicklungen (Krisen, Kriege, Knallköppe)  soll in diesem Beitrag Gedanken der Hoffnung auf eine neue Generation  Raum gegeben werden: Wenn Information die Währung der Demokratie ist, dann ist die Botschaft des Internets nichts anderes als die globale Demokratie. Die neue Überwachung wird den Überwachern gelten, die neue Zensur der Zensierung der Zensoren, die neue Diktatur dem Diktat des Volkes. Wenn es gelingt, reaktionäre Kräfte daran zu hindern, aus dem globalen Informationsnetz  ein Instrument der Überwachung (Vorratsdatenspeicherung) oder des e-Commerce (Anti-Netzneutralität) oder der gelenkten Informationsdosierung (Stopp-Schild-Zensur) zu machen, könnte das anbrechende Jahrzehnt der Beginn globaler Demokratie sein. Wenn keiner die Lügen derjenigen Mächtigen, welche ihre Macht missbrauchen, mehr glaubt, ist das Ende ihrer Macht zwar noch nicht erreicht, aber zumindest in Sichtweite (so meint zumindest ein gewisser weißhaariger Australier).

„Die Jugend“ der neuen digitalen Eingeborenen ist besser als ihr Ruf (vgl. SWR-Beitrag). Sie hat es gemeinsam mit uns in der Hand, die Verhältnisse zu ändern.
Dazu ein kurzer Redeausschnitt eines 15jährigen im Anschluss an die Massenproteste gegen die massiven Bildungskürzungen in Großbritannien, der jene Hoffnung auf das neue Bewusstsein einer neuen Generation unterstreichen mag:

Es wäre naiv zu glauben, dass Geschichte sich einfach ergibt oder durch bloße Reden verändert werden könnte. Philosophen haben die Welt nur beschrieben. Wir alle können daran teilhaben sie zu verändern. Dazu braucht es des Bewusstseins, dass wir gemeinsame Interessen haben und nicht allein stehen.Dazu braucht es auch das Bewusstsein über die Botschaft der neuen Technologien (siehe 27C3-Konferenz). Aber vor allem bedarf es Mut und Entschlossenheit zu Handeln!

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs ein frohes neues Jahr!

14.02.2010

Das Auditive ist ein weites Feld und auch der Begriff der Kultur ist in seiner weiteren Fassung nahezu unbegrenzt anwendbar auf alles was Menschen überhaupt so tun. Dementsprechend breit waren auch die Themen der Vorträge auf der an der Universität Siegen abgehaltenen Konferenz „Auditive Medienkulturen – Methoden einer interdisziplinären Klangwissenschaft“ gelagert, die ich Ende letzter Woche besuchte.

Inhaltliche Quintessenz war für mich nach drei Tagen, dass noch nicht einmal die Grundzüge einer solchen neuen Wissenschaftsdisziplin namens „Klangwissenschaft“ festzustehen scheinen, dies wurde vor allem deutlich in den nicht so recht gelingen wollenden Versuchen der Abgrenzung von bereits etablierten Wissenschaftszweigen  wie bspw.  Musikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft oder Musiksoziologie. Eigentlich stellten viele nur die Sichtweise ihrer jeweiligen Herkunftsdisziplin dar. Auch Sabine Sanio als Vertreterin der an der Berliner UdK beheimateten Sound Studies gelang es lediglich zu vermitteln, welche Ratlosigkeit bei Ihr bezüglich des eigenen „Faches“ besteht (Klingt bösartig, aber so hat sie es selbst dargestellt) und sieht sich selbst offenbar dann doch eher als Kulturwissenschaftlerin.

Für mich war ferner frappierend, das ein Großteil der Vorträge sich weder mit grundlagentheoretischen Fragen, noch Methodologie befasste und insbesondere die Rezeptionsperspektive bzw. der soziale Gebrauch von Klängen aus meiner Sicht über die Tagung hinweg viel zu kurz kam. So ging es in vielen Vorträgen dann doch nur um Werkästhetik, was mich angesichts des Kulturbegriffs im Titel der Tagung doch verwunderte. Weitere Verwunderung löste bei mir als Sozialwissenschaftler die Verwendung des Methodenbegriffs in vielen Vorträgen aus, aber das ist halt wohl die geisteswissenschaftliche Perspektive, die mir doch etwas ferner ist.

Nichtsdestotrotz waren viele Vorträge durchaus sehr anregend und die Begründung einer neuen Wissenschaftsdisziplin (so spannend die Idee ist) hatte wohl auch niemand der Beteiligten ernsthaft erwartet. Weiterhin wäre die ausgezeichnete Organisation und sehr familiäre kollegiale Stimmung zu benennen, so dass die Tagung aus meiner Sicht ein voller Erfolg war. Ich glaube dennoch das mit etwa mehr Vorbereitungszeit (die Kostenübernahme kam leider wohl erst sehr zeitnah) noch mehr hätte rausgeholt werden können, etwa, in dem man engere Fragestellungen für die einzelnen Sessions vorgegeben hätte. Aber das kann ja noch kommen, immerhin war es meines Wissens eine Premiere in Deutschland überhaupt zum Thema Audio/Klang eine eigene medienwissenschaftliche Tagung abzuhalten. Daher: großes Lob und vielen Dank an die Veranstalter!

Netterweise wurden die Vorträge und anschließenden Diskussion auf Video mitgeschnitten, so dass interessierte Leser sich nun selber einen Eindruck verschaffen können. Hier mein persönliches Best-Of der Tagung mit einem Kurzkommentar zu jedem der Vorträge versehen (Die Streams laufen über externen Quicktime oder RealPlayer):


Jens Schröter / Axel Volmar (Siegen): Vom Klang und dem Hören zu sozio-technischen Netzwerken auditiver Medienkultur als Gegenstand klangwissenschaftlicher Forschung (Einführung)

Einführung in das Thema der Tagung und ihrer Fragestellung.


Rolf Großmann (Lüneburg): Die Materialität des Klangs und die Medienpraxis der Musikkultur – ein verspäteter Gegenstand der Musikwissenschaft

Wie üblich für Rolf Großmann ein sehr überzeugender und unterhaltsamer Vortrag, der allerdings für mich persönlich keine grundlegend neuen Einsichten brachte, aber dennoch der erste Lichtblick der Tagung war. Wichtig auch der Hinweis, sich besser der Fundierung einer AUDIO-Wissenschaft zu widmen, da der Klangbegriff doch eher zwiespältig besetzt ist.


Frank Schätzlein (Hamburg): Zwischen “Rundfunkwissenschaft” und “Sound Studies” – Klang als Gegenstand medienwissenschaftlicher Hörfunkforschung

Schätzlein gab eine Übersicht über die verschiedenen Forschungsgebiete und angrenzende Wissenschaftszweige, die sich mit Klang und akustischen Phänomenen beschäftigen. Für mich etwas unverständlich war das Ausklammern der Kommunikationswissenschaft und Publizistik im Forschungsüberblick bei gleichzeitigem Einbezug solcher doch durchaus entfernterer Bereiche wie Psychoakustik. Immer noch die alten Grabenkämpfe?


Jochen Venus (Siegen): Resonanzen und Reflexionen. Zur Problematik einer Semiotik des Akustischen

Das theoretische Highlight der Tagung. Ich persönlich glaube, dass mit Hilfe der Peirceschen Semiotik tatsächlich der theoretische Grundstein einer Audiowissenschaft gelegt werden könnte und werde selber versuchen in dieser Richtung weiter zu arbeiten.


Marcus S. Kleiner (Siegen): Die Taubheit des Diskurses. Zur Gehörlosigkeit der Soziologie im Feld der Musikanalyse

Wie so oft bei Marcus natürlich eine großartige Performance, aber auch inhaltlich wurden wichtige Sollbruchstellen bisheriger soziologisch inspirierter  Forschungsanstrengungen im Bereich des Auditiven benannt, zum Teil zuweilen vielleicht ein Stückweit zu pointiert, aber das kann im Grunde nicht schaden. Ich glaube persönlich (darum auch meine Rückfrage) dass die „Cultural Studies“ in ihrer real existierenden Form in Deutschland aufgrund ihres Saussureschen semiologischen Erbes und der Überbetonung des individuellen Handelns gegenüber determinierenden Strukturen allerdings dem Ansinnen der Begründung einer soziologischen Audioforschung wenig weiterhelfen werden, mal schaun, ob Marcus dazu eine Lösung finden wird.


Jan-Philip Müller (Weimar): Die Rille schließen, das Klangobjekt identifizieren: Die Politik des Geräuschs in Pierre Schaeffers Entwurf einer Musique Concrète und Walter Murchs Sound Design für THX 1138

Inhaltlich gar nicht mal sooo aufregend, dennoch aus meiner Sicht ein wichtiger Hinweis auf die Bedeutsamkeit von Michel Chions Audiovisions-Theorie für eine zu begründende Klangwissenschaft, der nun mal implizit Peircesche Semiotik innewohnt. Außerdem toll, mal THX in besserer Qualität und im Directors Cut gesehen und gehört zu haben, selber habe ich nur eine alte monophone VHS-Aufnahme aus den 90ern.


Thomas Wilke (Halle): Dispositiv ,Diskothek‘. Historisch-ethnographische Untersuchungen zur kollektiven Musikrezeption im popkulturellen Klangraum

Hier kam endlich einmal auch ganz plastisch die soziokulturelle Rezeptionsperspektive zum Tragen, allerdings fehlte mir ein wenig der große theoretische Wurf.  Aber als Work in Progress dennoch sehr spannend.


Golo Föllmer (Halle): Klingt nach Radio. Klangästhetische Untersuchungen des Radios im programmlichen, historischen und interkulturellen Vergleich

Dieser Vortrag war sicherlich am nächsten an meinem aktuellen Forschungsthema dran: Die Schnittstelle aus Psychoakustik, Ästhetik, Sozialisationsforschung und Musikpsychologie war hier Thema. Mir blieb zunächst etwas die konkrete Fragestellung unklar, es schien mir vieles was er darstellte auf Möglichkeiten der Transkription und Abbildung von Radiobetrieb hinauszulaufen (wie auch einer der Fragenden im Publikum meinte: Reverse Engineering). Der Wert jeder sozialwissenschaftlichen Analysetechnik kann aber meiner Meinung nach nur im Hinblick auf die je zu untersuchende Fragestellung bewertet werden, nicht absolut – und hierauf bezogen blieb der Vortrag für mich zumindest beim ersten Schauen schwammig.  Nach dem nochmaligen Schauen ist mir nun klarer worum es eigentlich geht: Anmutung, Sound, Klang einer Welle – es sind alles sprachliche Metaphern für etwas was wohl eher akustische  (Marken-)Identität eines Senders meint – und Golo Föllmer versucht gewissermaßen den Konstituenten dieser Identität im Klanglichen auf die Schliche zu kommen.  Ich glaube,  auch bei diesem Forschungsthema wäre es wichtig, stärker auf die Rezipientenseite zu schauen und nicht so sehr im Produkt und dessen Machart rum zu stochern, aber genau das will er auch wohl ohnehin methodisch  zukünftig tun, wenn ich ihn richtig verstanden habe.

01.10.2009

Von Braga nach Gießen..

von Steffen Lepa

.. ging es Anfang dieser Woche. Dort fand an der Justus-Liebig-Universität die Jahrestagung 2009 der Kommission „Qualitative Bildungs- und Biographieforschung“ der Sektion „Allgemeine Erziehungswissenschaft“ der DGfE statt.

Highlights dieser Tagung zum Thema „Qualitative Bildungsforschung und Methodentriangulation“ (die wohl leider nicht in Buchform publiziert werden wird) waren für mich:

Während Flick den manchmal beobachtbaren, aus seiner Sicht fahrlässigen Pragmatismus der Mixed-Methods-Vertreter kritisierte und für eine Revision von Denzins Überlegungen eintrat, wies Anna Brake darauf hin, dass es auch neuere Ansätze in der internationalen Debatte gäbe, Mixed-Methods auf ontologisch-epistemologische Füße zu stellen (die sie allerdings nur kursorisch anriss), beklagte jedoch auf der anderen Seite die immer noch verbliebenen methodologisch-theoretischen Probleme, wie Subordination des einen unter den anderen Zugang und der „Quarrel“ mit der Validitätsfrage. Insofern konzentrierten sich die beiden in Ihren Keynote-Vorträgen auf den spannendsten Aspekt des Triangulationsbegriffs, nämlich die Entwicklung zu einer integrativen Sozialforschung.

Von den Keynotes abgesehen war aber der Vortrag von Treumann meines Erachtens der einzige auf der Konferenz, welcher wirklich ernsthaft quantitatives mit qualitativem Denken zu vermählen suchte, wenngleich mir natürlich nicht möglich war, alle Panels gleichzeitig zu besuchen. Jedoch ist auch diesem Ansatz eine metatheoretische Sorglosigkeit und ein gewisser Subordinationscharakter vorzuwerfen (von manchen Problemen auf der quantitativen Seite der Methodologie  einmal abgesehen).

Insgesamt entstand damit bei mir Eindruck, dass viele  der restlichen Vorträge eher umständlich bemüht versuchten, ihre sowieso entstandenen vornehmlich interpretativ-qualitativen Arbeiten (bedingt durch den Sektionshintergrund)  irgendwie unter dem Triangulationsbegriff zu verorten, was teils keineswegs überzeugen konnte.

Und: auch wenn Uwe-Flicks Plädoyer eher in die Gegenrichtung zielte, scheint mir nach einiger Reflektion und Diskussion mit Kollegen der Begriff der „Mixed-Methods“ inzwischen doch tragfähiger, weil damit aus meiner Sucht unsinnge (da eigentlich für zumindest mein Arbeiten selbstverständliche) begriffliche Ideen wie „Forscher- “ oder „Theorien-Triangulation“ endgültig der Vergangenheit angehören, da sie keine relevanten Distinktionen produzieren. Ich plädiere daher vehement  für eine methodologisch-ontologisch reflektierte Revision des Mixed-Method Begriffs. In meiner Dissertation habe ich dazu umfangreiche metatheoretische Überlegungen angestellt, die sich an der Wissenschaftsphilosophie des Kritischen Realismus anlehnen. Hätte ich eher von dem Call zur Tagung erfahren, hätte ich diese gerne dort dargestellt.

Zu Alex Geimers Vortrag ist (neben der Tatsache, dass er fast als einziger Powerpoint sinnvoll einzusetzen vermochte, nicht mit Beispielen geizte und  mit Interesse und positivem Feedback aufgenommen wurde)  zu sagen, dass mich das Konzept ja bekanntlich überzeugt, wenn auch ich einige Probleme mit den Begrifflichkeiten (nicht: dem Vorgehen und theoretischen Grundüberlegungen) seines 4-Felder-Schemas zu Praktiken der Filmaneignung sehe, die ebenfalls mit meinen kritisch-realistischen Grundannahmen zusammenhängen. Da auch ein anderer Teilnehmer im Panel hier offensichtlich der  teilweise „misleading“  Terminologie anheim fiel, hoffe ich, dass Alex nochmal drüber reflektiert oder dies vielleicht in einem Paper nochmal klarstellt.

Insgesamt waren die drei Tage für mich ein interessanter Einblick in aktuelle Arbeitsweisen qualitativ-interpretativer Bildungsforschung, wohingegen die Konferenz in Bezug auf das eigentliche Konferenzthema eher enttäuschte.

Nächste Seite »