28.01.2013

Drei zentrale Aspekte..

von Steffen Lepa

.. meines aktuellen Forschungsprojekts „Survey Musik und Medien“ waren der Inhalt einer Präsentation, die ich am vergangenen Donnerstag beim ZeMKI-Forschungskolloquium der der Universität Bremen auf Einladung gehalten habe. Aufgrund von Nachfragen hier nochmals das audiovisuelle Begleitmaterial zum Vortrag:

 

09.03.2012

.. möchte auch ich hier in meinem Blog den famosen Text „Wir, die Netzkinder“ des polnischen Dichters Piotr Czerski verlinken, der inzwischen als heimliches Manifest der Internet-Generation gilt. Besonders in den letzten drei Monaten mehren sich meines Empfindens die Zeichen, das Politik und Gesellschaft inzwischen nicht mehr an dem dort referenzierten „Wir“ vorbeikommen und vielleicht könnte daraus ja so etwas wie ein „europäischer Frühling der direkten Demokratie“ im Schatten der Finanz- bzw. Bankenkrise werden… Naja, man wird ja wohl noch mal träumen dürfen!

10.09.2011

Das Schweizer Fernsehen hat kürzlich ein spannendes Interview mit Douglas Coupland („Generation X“) geführt, unter anderem geht es auch um seine kürzlich erschienene McLuhan-Biographie:

Sternstunde Philosophie vom 04.09.2011

Emmanuel Goldstein ist nun angeblich tot. Zeit also, inne zu halten und sich die Frage zu stellen, ob sich nun der ganze Rummel um ihn für irgendjemanden auch nur ansatzweise ausgezahlt hat.  Beim darüber nachdenken fallen mir nicht viele Menschen ein, für die es sich wirklich nachhaltig im positiven Sinne gelohnt hätte, selbst was diejenigen angeht, die das wohl mal eine Weile dachten. Also lassen wir so einen flachen dümmlichen todbringenden Quatsch in Zukunft besser lieber sein – und freuen uns, dass „die Leute“ ™  vielleicht doch ein wenig schlauer sind.  Naja, vielleicht war auch der große Bruder zu dämlich. Man weiß es nicht. Abwarten und Tee trinken. Ich hoffe jedenfalls das Beste für die Zukunft.

Whatever, es gilt noch zwei wissenschaftliche Tagungen nach zu besprechen, darauf hat mich Alex vorgestern beim Kreuzberger MyFest, wo ich mich ob des schlechten Wetter leider erneut erkältet habe, zu Recht hingewiesen.

Nun also: In Zagreb fand Anfang April die Tagung „New challenges and methodological innovations in European media audience research„, finanziert durch die EU COST Action IS0906 statt. Im von den Temperaturen her geradezu frühsommerlichen Kroatien trafen sich bei blendendem Wetter über 300 Profi- und Nachwuchswissenschaftler aus den Medien- und Kommunikationswissenschaften um bei gutem Essen und günstigem Bier und Wein entlang von mehr als 60 englischsprachigen Vorträgen verteilt über mehr als 20 Panels (in der Regel 2-3 parallel)  über die Herausforderungen der Rezeptionsforschung im 21. Jahrhundert zu diskutieren, die kollektiv insbesondere entlang der Achsen bzw. Schlagworte  Mobilität, Crossmedialität und Medienkonvergenz gesehen wurden. Die Qualität der Beiträge war, wie so oft bei internationalen Tagungen, sehr heterogen.  Sternstunden waren für mich insbesondere die Beiträge von ex-ICA-Präsidentin Sonia Livingstone zu Problemen bei der Implementation von Medienkompetenzförderprogrammen und Klaus Bruhn Jensen über seine Theorie des Three-Step-Flows der Medienkommunikation. Methodisch ansprechend fand ich ferner den Vortrag von Cedric Courtois und Peter Mechant (Ghent) über Möglichkeiten, Web 2.0 APIs zur Unterstützung von Social Media Forschung einzusetzen und dies mit Strukturgleichungs- und Wachstumskurvenmodellierung zu verknüpfen. Ebenfalls sehr Interessant und mit ähnlichen Impetus wie der Vortrag, den Alex Geimer und ich über unseren Ansatz einer sozialwissenschaftlichen Mediendispositivanalyse hielten, war die Keynote von Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut über Medienrepertoire-Analysen und der Vortrag von seiner Frau Ingrid Paus-Hasebrink (Uni Salzburg) über ihr Projekt zur Nutzung von Medienangeboten innerhalb von Familien. Richtig negativ ist mir eigentlich nichts auf der Tagung aufgefallen, außer vielleicht das manche Kollegen das enge Zeitbudget zu strecken versuchten, in dem sie wirklich wasserfallartig sprachen (und ich meine wirklich zu schnell!). Die Betreuung, Verköstigung und Gastfreundschaft waren jedenfalls super und ich hoffe, dass es noch den angekündigten Tagungsband geben wird. Die sich quer über die ganze Tagung ziehenden Schlüsselthemen waren für mich Medienkompetenz und Medienrepertoires, sicher nicht ganz unbeeinflusst durch persönliche Vorlieben.

Unter gänzlich anderen Vorzeichen und insbesondere anderen Witterungsbedingungen fand in Bremen die internationale Tagung „Mediatized Worlds“  als Auftakt des DFG-Schwerpunktprogramms „Mediatisierte Welten“ unter Leitung des renommierten Bremer Kommunikationswissenschaftlers Friedrich Krotz statt. Diese war etwas kleiner (130 WissenschaftlerInnen) und,  (bei dem Thema kaum verwunderlich) viel stärker soziologisch geprägt als Zagreb und durch deutsche, englische und skandinavische ForscherInnen dominiert. Ich selbst stellte dort meinen Ansatz zur Mixed-Method-Medienrepertoire-Analyse in Bezug auf die Nutzung technischer Musikabspielmedien vor, der im Panel zu „Mediatized Art and Music“ verortet worden war. Highlights der Tagung waren für mich die Vorträge von Jan H. Passoth (Bielefeld) zum „Quantifizierten Zuhörer“, sowie die Keynote von Stig Hjarvard, in der er versuchte, theoretische und methodologische Brücken zwischen dem auf der Tagung theoretisch diskutierten Makroprozess (Mediatisierung) und empirisch untersuchten Mikroprozessen (Mediation) zu schlagen, und letztere vor allem mit James J. Gibson Affordanztheorie zu verstehen suchte (auf die ich mich in einem aktuellen Paper auch beziehe). Außerdem beachtlich war der Vortrag von Wolfgang Reißmann zum Gebrauch von Fotos in Social Networks durch Jugendliche. Leider war ich schon am ersten Tag (auch während meines Vortrags) sehr stark erkältet (wohl noch eine Folge des Klimawechsels, zwischen Zagreb und Bremen lagen nur wenige Tage), so dass ich mich entschloss, das frühmorgendliche Panel am zweiten Tag auszusparen, so dass mir der Vortrag von Ulrike Wagner (jff) über das Informationsverhalten Jugendlicher entging. Sehr spannend waren jedoch die Vorträge von Corinna Peil zum Domestication Approach und Michael S. Daubs zum inhärenten ideologischen  Paradoxon der Piratenpartei. Alles in allem waren die Vorträge im Vergleich zu Zagreb hier in Bremen  größtenteils inhaltlich deutlich anspruchsvoller – allerding scheint mir ein grundlegendes Problem der empirisch ausgerichteten Projekte darin zu liegen, den Meta-Prozess „Mediatisierung“, wie Krotz ihn fasst, mit Mikrophänomenen der Mediation, wie die dominierend eingesetzten qualitativ-interpretativen Forschungsmethoden sie herausarbeiten, schlüssig zu verknüpfen. Dies scheint mir ein Wiederaufflackern alter Probleme von Handeln und Strukturen zu sein, die ja in der Soziologie nix Neues sind, aber ich hätte mir schon irgendwie eine Bemerkung oder einen Kommentar  dazu gewünscht, ob denn sowas wie ein „Badewannenmodell der Mediatisierung“ theoretisch angedacht ist. Mein Vortrag schlug letztlich auch in diese methodologische Bresche (wenn auch auf andere Weise)  und wurde, so weit ich das beurteilen kann, recht positiv aufgenommen.

Soweit also zu den letzten Highlights aus der Welt der Tagungen – nun begann vor kurzem in Berlin das Sommersemester und ich bin recht stark durch mein aktuelles Seminar zur empirischen Rezeptionsforschung eingespannt. Nichtsdestotrotz macht es auch durchaus viel Spaß mal wieder zu lehren und interessante inhaltliche Anregungen und neugierige Fragen von Studierenden zu bekommen.

15.01.2011

.. waren das Thema einer durch die AG Populärkultur der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) an der Hochschule für Musik und Tanz Köln am letzten Wochenende durchgeführten Tagung. Leider konnte ich aufgrund eines anderen Vortrages am LoE-Cluster nur Teile der Präsentationen am Eröffnungstag sehen. Wie ich hörte, hat aber Lothar Mikos die Tagung in seiner Keynote mit einem Plädoyer für Interdisziplinarität und Mixed Methods eröffnet – was ich natürlich nur ausdrücklich befürworten kann. Ansonsten konnte ich aber einige sehr spannende Vorträge genießen, was mir insbesondere auffiel, war die Leidenschaft, mit der eigentlich alle Vortragende ihre Themen präsentierten – PopulärkulturforscherInnen wird ja häufig die mangelnde Distanz zu ihren Themen vorgeworfen. Wenn dies allerdings gleichzeitig bedeutet, dass sie ihre Themen mit Leidenschaft und Herzblut präsentieren und diskutieren wie in Köln- könnte es sich lohnen dies zunächst mal in Kauf zu nehmen. Mangelnde persönliche Distanz muss ja nicht mangelndes Methodenbewusstsein und mangelnde Systematik bedeuten. Sind nicht vielleicht wissenschaftliche Methoden (insbesondere die empirischen) geradezu darauf ausgerichtet, auch bei einem Gegenstand, der einen betrifft, anrührt, mitnimmt, den eigenen Blick zu reflektieren und systematisieren? Wenn „uns“ an Phänomenen der Populärkultur interessierten ForscherInnen das schlüssig gelänge, habe ich keine Bedenken für die Zukunft der Populärkulturforschung – auch als empirische Forschungsrichtung. Die Diskussion dieser und anderer Fragen lässt sich in dem bald erscheinenden Tagungsband nachlesen, zu dem ich auch einen Beitrag beisteuern werde, welcher sich auf die zur Zeit vor allem in Großbritannien zu beobachtenden Tendenzen zur methodologischen Verbindung von Wahrnehmungsökologie und Musiksoziologie bezieht und  den ich am Schluss der Tagung präsentiert habe.

Update: Es gibt eine Rezension der Tagung beim Landesmusikrat NRW. Mein kurzfristig für den Vortrag ausgesuchtes Klangbeispiel scheint ein sehr viables Mem zu sein 😉

01.10.2009

Von Braga nach Gießen..

von Steffen Lepa

.. ging es Anfang dieser Woche. Dort fand an der Justus-Liebig-Universität die Jahrestagung 2009 der Kommission „Qualitative Bildungs- und Biographieforschung“ der Sektion „Allgemeine Erziehungswissenschaft“ der DGfE statt.

Highlights dieser Tagung zum Thema „Qualitative Bildungsforschung und Methodentriangulation“ (die wohl leider nicht in Buchform publiziert werden wird) waren für mich:

Während Flick den manchmal beobachtbaren, aus seiner Sicht fahrlässigen Pragmatismus der Mixed-Methods-Vertreter kritisierte und für eine Revision von Denzins Überlegungen eintrat, wies Anna Brake darauf hin, dass es auch neuere Ansätze in der internationalen Debatte gäbe, Mixed-Methods auf ontologisch-epistemologische Füße zu stellen (die sie allerdings nur kursorisch anriss), beklagte jedoch auf der anderen Seite die immer noch verbliebenen methodologisch-theoretischen Probleme, wie Subordination des einen unter den anderen Zugang und der „Quarrel“ mit der Validitätsfrage. Insofern konzentrierten sich die beiden in Ihren Keynote-Vorträgen auf den spannendsten Aspekt des Triangulationsbegriffs, nämlich die Entwicklung zu einer integrativen Sozialforschung.

Von den Keynotes abgesehen war aber der Vortrag von Treumann meines Erachtens der einzige auf der Konferenz, welcher wirklich ernsthaft quantitatives mit qualitativem Denken zu vermählen suchte, wenngleich mir natürlich nicht möglich war, alle Panels gleichzeitig zu besuchen. Jedoch ist auch diesem Ansatz eine metatheoretische Sorglosigkeit und ein gewisser Subordinationscharakter vorzuwerfen (von manchen Problemen auf der quantitativen Seite der Methodologie  einmal abgesehen).

Insgesamt entstand damit bei mir Eindruck, dass viele  der restlichen Vorträge eher umständlich bemüht versuchten, ihre sowieso entstandenen vornehmlich interpretativ-qualitativen Arbeiten (bedingt durch den Sektionshintergrund)  irgendwie unter dem Triangulationsbegriff zu verorten, was teils keineswegs überzeugen konnte.

Und: auch wenn Uwe-Flicks Plädoyer eher in die Gegenrichtung zielte, scheint mir nach einiger Reflektion und Diskussion mit Kollegen der Begriff der „Mixed-Methods“ inzwischen doch tragfähiger, weil damit aus meiner Sucht unsinnge (da eigentlich für zumindest mein Arbeiten selbstverständliche) begriffliche Ideen wie „Forscher- “ oder „Theorien-Triangulation“ endgültig der Vergangenheit angehören, da sie keine relevanten Distinktionen produzieren. Ich plädiere daher vehement  für eine methodologisch-ontologisch reflektierte Revision des Mixed-Method Begriffs. In meiner Dissertation habe ich dazu umfangreiche metatheoretische Überlegungen angestellt, die sich an der Wissenschaftsphilosophie des Kritischen Realismus anlehnen. Hätte ich eher von dem Call zur Tagung erfahren, hätte ich diese gerne dort dargestellt.

Zu Alex Geimers Vortrag ist (neben der Tatsache, dass er fast als einziger Powerpoint sinnvoll einzusetzen vermochte, nicht mit Beispielen geizte und  mit Interesse und positivem Feedback aufgenommen wurde)  zu sagen, dass mich das Konzept ja bekanntlich überzeugt, wenn auch ich einige Probleme mit den Begrifflichkeiten (nicht: dem Vorgehen und theoretischen Grundüberlegungen) seines 4-Felder-Schemas zu Praktiken der Filmaneignung sehe, die ebenfalls mit meinen kritisch-realistischen Grundannahmen zusammenhängen. Da auch ein anderer Teilnehmer im Panel hier offensichtlich der  teilweise „misleading“  Terminologie anheim fiel, hoffe ich, dass Alex nochmal drüber reflektiert oder dies vielleicht in einem Paper nochmal klarstellt.

Insgesamt waren die drei Tage für mich ein interessanter Einblick in aktuelle Arbeitsweisen qualitativ-interpretativer Bildungsforschung, wohingegen die Konferenz in Bezug auf das eigentliche Konferenzthema eher enttäuschte.

24.09.2009

Beamerwahnsinn

von Steffen Lepa

Zwischennotiz:

Ich frage mich, ob es irgendein Organisator oder Veranstalter von Tagungen, Vorlesungen oder Kongressen, oder gar ein/e Vorlesende hinbekommt zu raffen, wie Videos unter Windows a) in Powerpoint Praesentationen eingebunden werden muessen und b) auch im Clone-Modus der Grafikkarte im Overlay-Modus  funktionieren. Es ist wie ein weltweiter Running-Gag, der uns scheinbar auch noch in die anbrechenden 10er Jahre erhalten bleiben wird. Medienkompetenz von 99% vortragender „Medienwissenschaftler“ gleich Null. Vertretern anderer Disziplinen verzeihe ich es noch ein wenig, aber auch da bleibt der alte Werbeclaim gueltig: Er/sie haette jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt, bevor er/sie meint, unbedingt ein Video in seiner Powerpoint-Praese implementieren zu muessen.

23.09.2009

Heute habe ich auf der internationalen kommunikationswissenschaftlichen Konferenz CICOM 2009 in Braga, Portugal an der Katholischen Universität Portugals in einem Panel-Vortrag einige entscheidende theoretische Argumentationslinien meiner Dissertation vorgestellt. Zu einer tieferen Diskussion ist es leider nicht gekommen, da ein Großteil des Publikums sowie auch der Chair  nicht wirklich der englischen Sprache mächtig war. Ich finde es fragwürdig, eine internationale Konferenz zu veranstalten, aber dennoch portugiesische, französische und spanische Vorträge zuzulassen und portugiesische Chairs, was bringt das? Mir war es relativ egal, mein Vortrag lief gut und wurde interessiert aufgenommen, aber für den wissenschaftlichen Diskurs und vor allem die Nachwuchswissenschaftler aus Portugal scheint mir das eher schädlich.

Ansonsten ist Portugal recht hübsch und niedlich, außerdem ein angenehmes Klima zur Zeit (26 Grad und blauer Himmel durchgehend), es mutet etwa wie Nordspanien an, ist allerdings deutlich dichter besiedelt. Vielleicht komm ich in den kommenden Tagen noch dazu, hier ein paar Fotos einzustellen. Achja, positiv ist mir noch aufgefallen: Gestern feierte man hier den „Tag der europäischen Mobilität“, dadurch war der komplette Nahverkehr kostenlos, was meinen Geldbeutel recht gut getan hat.

Lustig klischeemäßig ist hier auch die Vorstellung von Pünktlichkeit, so stand ich heute programmgemäß um 8h vor den Pforten der „Fakuldade Philosophica“, da mein Vortrag gleich im ersten Panel stattfinden sollte. Jedoch gingen die Tueren erst gegen 8:40h auf, als ein sichtlich gestresster Assistent Professor im offensichtlich neuen blauen Blazer eintraf und hektisch öffnete und mit ein paar völlig übermüdeten Erstsemesterstudentinnen chaotisch anfing, die Tische aufzubauen. Naja, es ist hier wohl die erste Konferenz jener Art und ich will mal nicht mäkeln, die legere Art der Portugiesen passt ja irgendwie zum Klima, dass ich jetzt umso mehr genießen kann, da mein Vortrag gehalten ist…