27.04.2011

Dancecult-Journal

von Steffen Lepa

Und mal wieder was noch nicht gekannt und bei Recherchen entdeckt: Seit drei Jahren gibt’s mit dancecult nun  ein Peer-Reviewed Journal zum Themenbereich „Electronic Dance Music Culture Studies“. Inhaltlich scheint es mir teilweise hochinteressant zu sein, die Autoren stammen schwerpunktmäßig aus Australien und Kanada. Aktueller CfP ist zum Thema „The Exodus of Psytrance?“. Ich werde mal reinlesen und dann ggf. hier von den Ergebnissen berichten.

15.01.2011

.. waren das Thema einer durch die AG Populärkultur der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) an der Hochschule für Musik und Tanz Köln am letzten Wochenende durchgeführten Tagung. Leider konnte ich aufgrund eines anderen Vortrages am LoE-Cluster nur Teile der Präsentationen am Eröffnungstag sehen. Wie ich hörte, hat aber Lothar Mikos die Tagung in seiner Keynote mit einem Plädoyer für Interdisziplinarität und Mixed Methods eröffnet – was ich natürlich nur ausdrücklich befürworten kann. Ansonsten konnte ich aber einige sehr spannende Vorträge genießen, was mir insbesondere auffiel, war die Leidenschaft, mit der eigentlich alle Vortragende ihre Themen präsentierten – PopulärkulturforscherInnen wird ja häufig die mangelnde Distanz zu ihren Themen vorgeworfen. Wenn dies allerdings gleichzeitig bedeutet, dass sie ihre Themen mit Leidenschaft und Herzblut präsentieren und diskutieren wie in Köln- könnte es sich lohnen dies zunächst mal in Kauf zu nehmen. Mangelnde persönliche Distanz muss ja nicht mangelndes Methodenbewusstsein und mangelnde Systematik bedeuten. Sind nicht vielleicht wissenschaftliche Methoden (insbesondere die empirischen) geradezu darauf ausgerichtet, auch bei einem Gegenstand, der einen betrifft, anrührt, mitnimmt, den eigenen Blick zu reflektieren und systematisieren? Wenn „uns“ an Phänomenen der Populärkultur interessierten ForscherInnen das schlüssig gelänge, habe ich keine Bedenken für die Zukunft der Populärkulturforschung – auch als empirische Forschungsrichtung. Die Diskussion dieser und anderer Fragen lässt sich in dem bald erscheinenden Tagungsband nachlesen, zu dem ich auch einen Beitrag beisteuern werde, welcher sich auf die zur Zeit vor allem in Großbritannien zu beobachtenden Tendenzen zur methodologischen Verbindung von Wahrnehmungsökologie und Musiksoziologie bezieht und  den ich am Schluss der Tagung präsentiert habe.

Update: Es gibt eine Rezension der Tagung beim Landesmusikrat NRW. Mein kurzfristig für den Vortrag ausgesuchtes Klangbeispiel scheint ein sehr viables Mem zu sein 😉

23.06.2010

Abstrus oder nicht?

von Steffen Lepa

Diese Frage möchte ich den Lesern überlassen, wenn Sie sich zwei Ideen anschauen, die ich heute hier mal verlinken möchte:

Alexander Kissler möchte das ZDF abschaffen.

Meine Sympathie hat er zumindest für sein, wie ich finde, gerechtfertigtes Slomka-Bashing. Die Frage ist nur: Wohin dann mit dem Dienstags-Spielfilm?

Außerdem:

Audi überlegt WFS-Sound-Systeme in Fahrzeuge einzubauen.

Liegt für mich auf einer Ebene mit der Idee einen Großbildfernseher in ein Auto einzubauen: Netter Gimmick, aber gefährdet mit Sicherheit das Fahren. In der Mitarbeiterbesprechung des Fachgebiets Audiokommunikation flaxten wir bereits, ob man nicht über die Soundanlage anstatt von Unterhaltung mittels außen am Wagen angebrachter Mikrofone ein „akustisch transparentes“ Fahrzeug schaffen könnte. Dann würde der TT-Fahrer vielleicht meine Fahrradklingel hören (und das an der richtigen Position), bevor er mich beim Rechtsabbiegen auf der Leipziger Straße schneidet..

Nun liebe Leser, das Internet ist ja ein Mitmach-Medium, was denken denn Sie über diese Ideen, bzw. mögliche Abwandlungen davon? Abstrus oder nicht?

Ich würde mich freuen, wenn die Leser dieses Blogs mich bei meiner aktuellen Studie zu Musik und Emotionen unterstützen würden. Die Untersuchung soll dabei helfen, aus wissenschaftlicher Perspektive besser den alltäglichen Umgang von Menschen mit Musik zu verstehen. Bei Interesse bitte ich Sie, zunächst einen Online-Fragebogen auszufüllen, den Sie unter der Internet-Adresse

[Web-Survey inzwischen beendet]

finden können. Dort werden Sie am Schluss auch gebeten, Ihre Emailadresse zu hinterlassen, denn wir
haben vor, einige zufällig ausgewählte Teilnehmer/innen der Studie persönlich zu treffen, um sie zu
ihrem individuellen Umgang mit Musik im Alltag zu befragen. Für das etwa einstündige persönliche
Interview, das an einem Ort Ihrer Wahl stattfinden kann, erhalten Sie von uns 20 Euro
Aufwandsentschädigung.

Bitte leiten Sie den Link gerne auch an Freunde, Bekannte und andere Mailinglisten weiter,
insbesondere würde ich mich  auch über Teilnehmer freuen, die nicht aus dem studentischen Milieu
kommen (das ist ja oft eine Schwierigkeit). Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Steffen Lepa

24.02.2010

Neuer Job

von Steffen Lepa

Nach einigen Jahren an der Universität Oldenburg war es mal wieder Zeit, sich nach neuen Herausforderungen umzusehen. Seit dem 15. Februar bin ich daher nun Vollzeit-Mitarbeiter im Fachgebiet Audiokommunikation, Institut für Sprache und Kommunikation an der Technischen Universität Berlin und erforsche dort im Rahmen des Berliner Exzellenzclusters „Languages of Emotion„, welchen Einfluss Reproduktionstechnologien auf das Emotionsempfinden bei der Rezeption von technisch-medial reproduzierter Musik ausüben.

Interessantester Gesichtspunkt dieses Projekts ist für mich die Tatsache, dass die untersuchte Fragestellung an der interdisziplinären Schnittstelle von Mediensychologie, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Musikwissenschaft, Mediensoziologie, Psychoakustik und Medientechnik liegt. Eine besondere Herausforderung, der ich mich aber durch meine vielfältigen Erfahrungen in interdisziplinären Projektkontexten und der erfolgreichen Erarbeitung einer eigenen reflektierten wissenschaftstheoretischen Position im Rahmen meiner Dissertation hinreichend gewachsen fühle. Wenn es Neuigkeiten zum Projekt gibt, werde ich an dieser Stelle wieder darüber berichten.

14.02.2010

Das Auditive ist ein weites Feld und auch der Begriff der Kultur ist in seiner weiteren Fassung nahezu unbegrenzt anwendbar auf alles was Menschen überhaupt so tun. Dementsprechend breit waren auch die Themen der Vorträge auf der an der Universität Siegen abgehaltenen Konferenz „Auditive Medienkulturen – Methoden einer interdisziplinären Klangwissenschaft“ gelagert, die ich Ende letzter Woche besuchte.

Inhaltliche Quintessenz war für mich nach drei Tagen, dass noch nicht einmal die Grundzüge einer solchen neuen Wissenschaftsdisziplin namens „Klangwissenschaft“ festzustehen scheinen, dies wurde vor allem deutlich in den nicht so recht gelingen wollenden Versuchen der Abgrenzung von bereits etablierten Wissenschaftszweigen  wie bspw.  Musikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft oder Musiksoziologie. Eigentlich stellten viele nur die Sichtweise ihrer jeweiligen Herkunftsdisziplin dar. Auch Sabine Sanio als Vertreterin der an der Berliner UdK beheimateten Sound Studies gelang es lediglich zu vermitteln, welche Ratlosigkeit bei Ihr bezüglich des eigenen „Faches“ besteht (Klingt bösartig, aber so hat sie es selbst dargestellt) und sieht sich selbst offenbar dann doch eher als Kulturwissenschaftlerin.

Für mich war ferner frappierend, das ein Großteil der Vorträge sich weder mit grundlagentheoretischen Fragen, noch Methodologie befasste und insbesondere die Rezeptionsperspektive bzw. der soziale Gebrauch von Klängen aus meiner Sicht über die Tagung hinweg viel zu kurz kam. So ging es in vielen Vorträgen dann doch nur um Werkästhetik, was mich angesichts des Kulturbegriffs im Titel der Tagung doch verwunderte. Weitere Verwunderung löste bei mir als Sozialwissenschaftler die Verwendung des Methodenbegriffs in vielen Vorträgen aus, aber das ist halt wohl die geisteswissenschaftliche Perspektive, die mir doch etwas ferner ist.

Nichtsdestotrotz waren viele Vorträge durchaus sehr anregend und die Begründung einer neuen Wissenschaftsdisziplin (so spannend die Idee ist) hatte wohl auch niemand der Beteiligten ernsthaft erwartet. Weiterhin wäre die ausgezeichnete Organisation und sehr familiäre kollegiale Stimmung zu benennen, so dass die Tagung aus meiner Sicht ein voller Erfolg war. Ich glaube dennoch das mit etwa mehr Vorbereitungszeit (die Kostenübernahme kam leider wohl erst sehr zeitnah) noch mehr hätte rausgeholt werden können, etwa, in dem man engere Fragestellungen für die einzelnen Sessions vorgegeben hätte. Aber das kann ja noch kommen, immerhin war es meines Wissens eine Premiere in Deutschland überhaupt zum Thema Audio/Klang eine eigene medienwissenschaftliche Tagung abzuhalten. Daher: großes Lob und vielen Dank an die Veranstalter!

Netterweise wurden die Vorträge und anschließenden Diskussion auf Video mitgeschnitten, so dass interessierte Leser sich nun selber einen Eindruck verschaffen können. Hier mein persönliches Best-Of der Tagung mit einem Kurzkommentar zu jedem der Vorträge versehen (Die Streams laufen über externen Quicktime oder RealPlayer):


Jens Schröter / Axel Volmar (Siegen): Vom Klang und dem Hören zu sozio-technischen Netzwerken auditiver Medienkultur als Gegenstand klangwissenschaftlicher Forschung (Einführung)

Einführung in das Thema der Tagung und ihrer Fragestellung.


Rolf Großmann (Lüneburg): Die Materialität des Klangs und die Medienpraxis der Musikkultur – ein verspäteter Gegenstand der Musikwissenschaft

Wie üblich für Rolf Großmann ein sehr überzeugender und unterhaltsamer Vortrag, der allerdings für mich persönlich keine grundlegend neuen Einsichten brachte, aber dennoch der erste Lichtblick der Tagung war. Wichtig auch der Hinweis, sich besser der Fundierung einer AUDIO-Wissenschaft zu widmen, da der Klangbegriff doch eher zwiespältig besetzt ist.


Frank Schätzlein (Hamburg): Zwischen “Rundfunkwissenschaft” und “Sound Studies” – Klang als Gegenstand medienwissenschaftlicher Hörfunkforschung

Schätzlein gab eine Übersicht über die verschiedenen Forschungsgebiete und angrenzende Wissenschaftszweige, die sich mit Klang und akustischen Phänomenen beschäftigen. Für mich etwas unverständlich war das Ausklammern der Kommunikationswissenschaft und Publizistik im Forschungsüberblick bei gleichzeitigem Einbezug solcher doch durchaus entfernterer Bereiche wie Psychoakustik. Immer noch die alten Grabenkämpfe?


Jochen Venus (Siegen): Resonanzen und Reflexionen. Zur Problematik einer Semiotik des Akustischen

Das theoretische Highlight der Tagung. Ich persönlich glaube, dass mit Hilfe der Peirceschen Semiotik tatsächlich der theoretische Grundstein einer Audiowissenschaft gelegt werden könnte und werde selber versuchen in dieser Richtung weiter zu arbeiten.


Marcus S. Kleiner (Siegen): Die Taubheit des Diskurses. Zur Gehörlosigkeit der Soziologie im Feld der Musikanalyse

Wie so oft bei Marcus natürlich eine großartige Performance, aber auch inhaltlich wurden wichtige Sollbruchstellen bisheriger soziologisch inspirierter  Forschungsanstrengungen im Bereich des Auditiven benannt, zum Teil zuweilen vielleicht ein Stückweit zu pointiert, aber das kann im Grunde nicht schaden. Ich glaube persönlich (darum auch meine Rückfrage) dass die „Cultural Studies“ in ihrer real existierenden Form in Deutschland aufgrund ihres Saussureschen semiologischen Erbes und der Überbetonung des individuellen Handelns gegenüber determinierenden Strukturen allerdings dem Ansinnen der Begründung einer soziologischen Audioforschung wenig weiterhelfen werden, mal schaun, ob Marcus dazu eine Lösung finden wird.


Jan-Philip Müller (Weimar): Die Rille schließen, das Klangobjekt identifizieren: Die Politik des Geräuschs in Pierre Schaeffers Entwurf einer Musique Concrète und Walter Murchs Sound Design für THX 1138

Inhaltlich gar nicht mal sooo aufregend, dennoch aus meiner Sicht ein wichtiger Hinweis auf die Bedeutsamkeit von Michel Chions Audiovisions-Theorie für eine zu begründende Klangwissenschaft, der nun mal implizit Peircesche Semiotik innewohnt. Außerdem toll, mal THX in besserer Qualität und im Directors Cut gesehen und gehört zu haben, selber habe ich nur eine alte monophone VHS-Aufnahme aus den 90ern.


Thomas Wilke (Halle): Dispositiv ,Diskothek‘. Historisch-ethnographische Untersuchungen zur kollektiven Musikrezeption im popkulturellen Klangraum

Hier kam endlich einmal auch ganz plastisch die soziokulturelle Rezeptionsperspektive zum Tragen, allerdings fehlte mir ein wenig der große theoretische Wurf.  Aber als Work in Progress dennoch sehr spannend.


Golo Föllmer (Halle): Klingt nach Radio. Klangästhetische Untersuchungen des Radios im programmlichen, historischen und interkulturellen Vergleich

Dieser Vortrag war sicherlich am nächsten an meinem aktuellen Forschungsthema dran: Die Schnittstelle aus Psychoakustik, Ästhetik, Sozialisationsforschung und Musikpsychologie war hier Thema. Mir blieb zunächst etwas die konkrete Fragestellung unklar, es schien mir vieles was er darstellte auf Möglichkeiten der Transkription und Abbildung von Radiobetrieb hinauszulaufen (wie auch einer der Fragenden im Publikum meinte: Reverse Engineering). Der Wert jeder sozialwissenschaftlichen Analysetechnik kann aber meiner Meinung nach nur im Hinblick auf die je zu untersuchende Fragestellung bewertet werden, nicht absolut – und hierauf bezogen blieb der Vortrag für mich zumindest beim ersten Schauen schwammig.  Nach dem nochmaligen Schauen ist mir nun klarer worum es eigentlich geht: Anmutung, Sound, Klang einer Welle – es sind alles sprachliche Metaphern für etwas was wohl eher akustische  (Marken-)Identität eines Senders meint – und Golo Föllmer versucht gewissermaßen den Konstituenten dieser Identität im Klanglichen auf die Schliche zu kommen.  Ich glaube,  auch bei diesem Forschungsthema wäre es wichtig, stärker auf die Rezipientenseite zu schauen und nicht so sehr im Produkt und dessen Machart rum zu stochern, aber genau das will er auch wohl ohnehin methodisch  zukünftig tun, wenn ich ihn richtig verstanden habe.

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