27.04.2011

Dancecult-Journal

von Steffen Lepa

Und mal wieder was noch nicht gekannt und bei Recherchen entdeckt: Seit drei Jahren gibt’s mit dancecult nun  ein Peer-Reviewed Journal zum Themenbereich “Electronic Dance Music Culture Studies”. Inhaltlich scheint es mir teilweise hochinteressant zu sein, die Autoren stammen schwerpunktmäßig aus Australien und Kanada. Aktueller CfP ist zum Thema “The Exodus of Psytrance?”. Ich werde mal reinlesen und dann ggf. hier von den Ergebnissen berichten.

27.02.2011

Auf den Punkt gebracht..

von Steffen Lepa

Deutlicher kann man es nicht mehr sagen:

.. zeigt eindrucksvoll ein ZEIT-Artikel incl. interaktivem PlugIn auf Basis der Handydaten des Grünen-Politikers Malte Spitz. Auf Basis dieser Problematik (Bewegungsprofile) wurde das Gesetz ja letztlich auch vom Bundesverfassungsgericht zu Recht gekippt.

.. war ja schon länger zu beobachten. Aber die “Causa Guttenberg” schlägt dem Fass wirklich den Boden aus. Es ist für mich und viele Fachkollegen unfassbar, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Kanzlerin, Wissenschaftsministerin und der Rest der Regierung das als juristische Doktorarbeit bezeichnete Plagiat des jetzigen Bundesverteidigungsministers versuchen als Bagatelle abzutun, den Vorgang als lässliche Jugendsünde oder als Kavaliersdelikt zu verteidigen. “Haben wir nicht alle einmal geschummelt?” – So wird argumentiert. Vielleicht haben manche das – aber wenn sie erwischt wurden, haben sie dennoch die Konsequenzen getragen und sich dazu bekannt (Zu der Tat, nicht zum “Hochmut”). Außerdem geht es hier nicht um kleines Schummeln, sondern um das massive absichtsvolle Ausbeuten fremder geistiger Leistungen anderer, weil es an den eigenen oder dem Willen, diese durch wissenschaftlichen  Einsatz zu erbringen, offensichtlich mangelt. Es ist empörend, wie hier öffentlich nicht nur durch die BILD, sondern durch zahlreiche öffentiche Amtsträger mit zweierlei Maß gemessen wird, “Double Standards” scheinen in dieser Republik für adlige Minister, Transatlantiker und Lieblingskinder der Bild-Zeitung zu gelten. Dies hat mich auch bewogen, vorgestern einen Brief an den Bundespräsidenten mit der Bitte um Stellungnahme zu schreiben, der aufgrund seiner faktischen relativen politischen Machtlosigkeit ja häufig als überparteiliche, moralische Instanz bezeichnet wird und sich zudem offensiv als gläubiger Christ versteht. Wenn es schon die Kanzlerin aus Opportunismus nicht vermag, sollte nicht wenigstens unser Staatsoberhaupt Stellung zu dieser Sache nehmen, bevor international bekannt wird, dass sich wohlhabende Menschen an bayerischen Universitäten Doktortitel erschleichen können, ohne das dass dies irgendwelche Konsequenzen hat? Wenn es auch die Uni Bayreuth nicht wagt,  die absichtliche Täuschung als solche zu benennen? (Die finanziellen Zuwendungen der Familie Guttenberg an die Uni Bayreuth sind ja längst öffentlich):

Mit mir empören sich:

über 60 Wissenschaftler der LMU München

der Medienwissenschafler Lutz Hachmeister (der übrigens dem Fluter neulich ein sehr lesenswertes Interview gab)

ein ehemaliger Professor der Bundeswehr-Universität Hamburg

Ueber 100 Doktoranden verschiedener Fächer und promovierte Unterstuetzer

Der Deutsche Hochschulverband

Festzuhalten ist: Es geht hier um weitaus Wichtigeres, als die Person zu Guttenberg (die meinetwegen auf Ihrem Ministerposten kleben bleiben soll – auch wenn man sich fragt, wer dem in Zukunft noch etwas abkaufen will) oder die zahlreichen Wahlkämpfe in diesem Jahr (auf welche die Opposition mit ihren scharfen Angriffen aus Eigeninteresse selbstverständlich abzielt). Es geht um das internationale Anstehen deutscher akademischer Titel, um das Vertrauen innerhalb der Scientific Community, das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik und das Vertrauen der Bürger in die Wissenschaft. All dies sind bedeutende Werte, die hier zu Grabe getragen werden, wenn nicht eindeutig und klar benannt wird, dass es sich hierbei nicht um ein Kavaliersdelikt, ein Versehen oder ähnliches, sondern groben Vorsatz und arglistige Täuschung handelt, die nicht wegzudiskutieren sind, wie sich auch jeder interessierte Bürger auf Guttenplagg selbst überzeugen kann. Falls das nicht geschieht, muss sich jedenfalls niemand über einen kommenden “Brain-Drain” wundern.

Nebenbei gesagt ist jenes Wiki ein deutliches Zeichen dafür, dass das Internet nicht etwa dem Betrug Vorschub leistet, sondern der öffentlichen demokratischen Transparenz und Aufklärung. Hätte der Herr Minister vor 30 Jahren seine Mitarbeiter seine Promotionsarbeit zusammenstückeln lassen und seine Eigenleistung aufs Redigieren beschränkt, es wäre vermutlich niemals rausgekommen.

Deutliche Worte (für mich auch ohne übertriebene Polemik) aus Sicht der Wissenschaft fand Herr Dr. Dr. Karl Lauterbach in der Bundestagsdebatte zum Thema:

Update:

Frank Rieger (CCC) hat eine Protestdemonstration zum Thema angemeldet, für die ich hier gerne werbe:

27.01.2011

.. plastische Antworten auf diese Frage gibt ein recht gelungenes Youtube-Video der Division on Media Change & Innovation (Prof. Michael Latzer) des IPMZ Zürich:

Es scheint sich zum Jahreswechsel  immer mehr abzuzeichnen: Das vorgebliche “Ende der Geschichte” war eigentlich nur der Anfang. Zum Ende eines Jahrzehnts voller trauriger Entwicklungen (Krisen, Kriege, Knallköppe)  soll in diesem Beitrag Gedanken der Hoffnung auf eine neue Generation  Raum gegeben werden: Wenn Information die Währung der Demokratie ist, dann ist die Botschaft des Internets nichts anderes als die globale Demokratie. Die neue Überwachung wird den Überwachern gelten, die neue Zensur der Zensierung der Zensoren, die neue Diktatur dem Diktat des Volkes. Wenn es gelingt, reaktionäre Kräfte daran zu hindern, aus dem globalen Informationsnetz  ein Instrument der Überwachung (Vorratsdatenspeicherung) oder des e-Commerce (Anti-Netzneutralität) oder der gelenkten Informationsdosierung (Stopp-Schild-Zensur) zu machen, könnte das anbrechende Jahrzehnt der Beginn globaler Demokratie sein. Wenn keiner die Lügen derjenigen Mächtigen, welche ihre Macht missbrauchen, mehr glaubt, ist das Ende ihrer Macht zwar noch nicht erreicht, aber zumindest in Sichtweite (so meint zumindest ein gewisser weißhaariger Australier).

“Die Jugend” der neuen digitalen Eingeborenen ist besser als ihr Ruf (vgl. SWR-Beitrag). Sie hat es gemeinsam mit uns in der Hand, die Verhältnisse zu ändern.
Dazu ein kurzer Redeausschnitt eines 15jährigen im Anschluss an die Massenproteste gegen die massiven Bildungskürzungen in Großbritannien, der jene Hoffnung auf das neue Bewusstsein einer neuen Generation unterstreichen mag:

Es wäre naiv zu glauben, dass Geschichte sich einfach ergibt oder durch bloße Reden verändert werden könnte. Philosophen haben die Welt nur beschrieben. Wir alle können daran teilhaben sie zu verändern. Dazu braucht es des Bewusstseins, dass wir gemeinsame Interessen haben und nicht allein stehen.Dazu braucht es auch das Bewusstsein über die Botschaft der neuen Technologien (siehe 27C3-Konferenz). Aber vor allem bedarf es Mut und Entschlossenheit zu Handeln!

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs ein frohes neues Jahr!

Keine Frage, politische Initiativen, welche das Ansinnen haben, die Lesekompetenz und politische Bildung Heranwachsender zu fördern, werden immer meine prinzipielle Unterstützung finden. Die Pressemitteilung zur aktuellen Aktion von Kulturstaatsminister Neumann mit dem Titel  “Nationale Initiativ Printmedien lässt aber aus meiner Sicht nur zwei wenig schmeichelhafte Interpretationen des dahinter stehenden Ansinnens zu:

Entweder hat da jemand nicht verstanden, dass es um Lesen als Medienkompetenz und um politische Bildung mit dem Ziel aktiver Partizipation Jugendlicher  gehen sollte und nicht um die Förderung einer rückwärtsgewandten, Ressourcen-verrnichtenden und CO2 beeinträchtigenden Produktion bedruckten Papiers, die an der Lebenswelt Heranwachsender grundsätzlich vorbei geht und NICHTS, aber auch GAR NICHTS mit Stärkung von Medienkompetenz und noch weniger mit der Anregung zu aktuellen Formen politischer Partizipation  zu tun hat.  Sollte diese Deutung zutreffen, empfehle ich Herrn Neumann eine Beschäftigung mit aktueller medienpädagogischer Forschungsliteratur zum Thema.

Oder aber, und das wäre die bösere Interpretation, es geht Herrn Neumann sowieso in Wirklichkeit gar nicht um die Förderung politischer Beteiligung Heranwachsender, sondern um das, was diese Regierung nach Meinung einiger Journalisten und vieler Blogger von Anfang an auf vielen Gebieten betrieben hat: Klientelpolitik, hier in Form der Stärkung einer sterbenden Contentindustrie, welche selbstverschuldet und ignorant wichtige mediale Entwicklungen verschlafen hat und nun versucht sich hektisch mit immer wieder scheiternden paid-Content-Initiativen zu retten. Von dem eklatanten qualitativen Unterschied zwischen dem Kauf einer der sogenannten deutschen “Qualitätszeitungen”, deren Tagesgeschäft hauptsächlich darin besteht, im Stile ihrer vermeintlichen Leserschaft Agenturmeldungen unkritisch zu paraphrasieren, gegenüber der Möglichkeit, sich im globalen Maßstab kostenlos ein umfassendes, abgewogenes eigenes Bild politischen Handelns aus der Sicht ganz unterschiedlicher Medien, Blogger und Stakeholder zu machen (in anderen Ländern gibts ja teilweise gar noch investigativen Journalismus) – was wohl eher dem in der Presseerklärung hochgehaltenen Prinzip “Meinungsfreiheit” und “Kompetenz” entspräche, will ich hier noch nicht mal schreiben.

Kurzum: Welche der beiden Interpretationen man lieber folgen mag, überlasse ich dem politisch informierten Leser.

Nichtsdestotrotz: Die Grundidee der Initiative ist gut (ich will hier nicht alles madig machen), nur bei der Umsetzung und PR-Politik sollte man sich eben nicht von Lobbyisten oder Marketingvertretern, sondern besser von Medienpädagogen beraten lassen. Wie sonst kann man auf Formulierungen kommen, die sich mit “dem besonderen Wert des gedruckten Wortes”  befassen, oder meinen, dass “Printmedien unverzichtbar für die Demokratie” wären. Marshall McLuhan hätte bereits vor 30 Jahren solche Aussagen mit recht als reaktionär und Ausdruck einer “Nachtwandlermentalität” bezeichnet. Dem ist wenig hinzuzufügen.  Alles andere an der Aktion, insbesondere die Förderung von Lesekompetenz ist natürlich absolut unterstützenswert.

22.07.2010

Der enTourage eDGe ist eine Mischung aus Tablet PC und eReader. Ich bin gespannt auf erste Tests, insbesondere was Usability und Batterielaufzeit angeht. Ein erster Schritt zu einem mobilen wissenschaftlichen Arbeitplatz, bedenkt man die mögliche Kombination aus UMTS-Karte, Firefox, Zotero und Youtube.

10.06.2010

Das Facebook-Dilemma..

von Steffen Lepa

..wird im Online-Magazin Telepolis von Thomas Richter in einer ausführlichen, 4-teiligen Artikelserie dargestellt.  Neben einem Abriss der Entwicklung seit der Gründung werden dort die bekannten Probleme insbesondere in Bezug auf Privacy-Einstellungen auch für Laien nachvollziehbar benannt und konstruktive Abhilfemaßnahmen vorgeschlagen. Noch wichtiger: Aktuelle neue Projekte alternativer, offener Social Communities mit transparenter Datenpolitik  werden vorgestellt.  Ich persönlich war 2009 bereits nach 2 Wochen Nutzungszeit von Facebooks Kommunikations- und Geschäftsgebaren (der im Artikel genannte Begriff der “Bevormundung” bringt es auf den Punkt) so entnervt, das man mich bis heute und auch in Zukunft nie auf Facebook wird finden können. Nein, die selbst verschuldete Unmündigkeit ist meine Sache nicht und widerspricht auch grundlegend der Botschaft der Digitalen Medien und des Web 2.0 und ihrer emanzipativen Potentiale.

24.05.2010

Anlässlich des kürzlich hochgekochten Google-Streetview-Datenspeicherungs-Vorfalls gab es neulich bei Phoenix eine hochinteressante Diskussion zum Thema Datenschutz und Privatsphäre im Internet zu sehen. Im Unterschied zu thematisch ähnlich gearteten Beiträgen von Maybrit Illner und Co. waren hier jedoch tatsächlich einige Leute  vom Fach bzw. mit politischem Einfluss geladen, was die Debatte durchaus sehenswert macht. Unter anderem wird auch eine Lanze für Medienpädagogik im schulischen Kontext gebrochen.

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