Ich würde mich freuen, wenn die Leser dieses Blogs mich bei meiner aktuellen Studie zu Musik und Emotionen unterstützen würden. Die Untersuchung soll dabei helfen, aus wissenschaftlicher Perspektive besser den alltäglichen Umgang von Menschen mit Musik zu verstehen. Bei Interesse bitte ich Sie, zunächst einen Online-Fragebogen auszufüllen, den Sie unter der Internet-Adresse

[Web-Survey inzwischen beendet]

finden können. Dort werden Sie am Schluss auch gebeten, Ihre Emailadresse zu hinterlassen, denn wir
haben vor, einige zufällig ausgewählte Teilnehmer/innen der Studie persönlich zu treffen, um sie zu
ihrem individuellen Umgang mit Musik im Alltag zu befragen. Für das etwa einstündige persönliche
Interview, das an einem Ort Ihrer Wahl stattfinden kann, erhalten Sie von uns 20 Euro
Aufwandsentschädigung.

Bitte leiten Sie den Link gerne auch an Freunde, Bekannte und andere Mailinglisten weiter,
insbesondere würde ich mich  auch über Teilnehmer freuen, die nicht aus dem studentischen Milieu
kommen (das ist ja oft eine Schwierigkeit). Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Steffen Lepa

03.04.2010

Häufiger werde ich von neugierigen Kollegen danach gefragt, ob es eine gute deutsche Einführung in das Wissenschaftsprogramm des Kritischen Realismus gäbe. Da der Diskurs mehr oder weniger aus UK kommt, musste ich dies, da meine eigene Dissertation zur Zeit noch bei VS im Druck ist, bislang verneinen und auf die einschlägige Übersicht von Danermark et al. verweisen. Dies hat sich nun geändert: Georg Gangl hat an der Universität Wien eine politikwissenschaftliche Diplomarbeit zum Thema verfasst, die ich für sehr lesenswert halte.

11.12.2009

.. genauer, eine Rezension von Frank Schirrmachers neuem Buch „Payback „ hat Rudolf Maresch bei Telepolis verfasst.  Mir fehlt ein wenig der Bezug zu McLuhan, aber ansonsten finden sich sehr viele lesenwerte und wichtige technikphilosophische Gedanken. Persönlich wäre ich jedoch vorsichtig mit dem Plädoyer für eine evolutionär-biologisch bedingte Begrenztheit des Menschen in Bezug auf  „Informationen“.  Dahinter steht implizit ein verkürzter anti-konstruktivistischer Informationsbegriff, genauer ein Ausblenden der sozialisations- und kontextgebundenheit von relevanten  Bedeutungen, die aus „Informationsangeboten“ erst induktiv-deduktiv erzeugt werden müssen, und nie und nimmer eine „Eigenschaft“ bestimmter Medienformen oder Medienangebote sind. Das Medium ist die Botschaft und natürlich verändert uns die Ausweitung unseres Körpers und unseres „Nervenkostüms“ durch vernetzte technische intelligente audiovisuelle Informationsmedien und verändern Anthropos auch zu einer anderen sozialen Daseins- und Existenzform und das nicht immer in eine normativ wünschenswerte Richtung. Aber eine biologische Begrenztheit zu unterstelle, dafür fehlen jegliche empirischen Belege. Die Paradigmen der klassischen aufmerksamkeitspsychologischen Grundlagenforschung sind an Laborbedingungen gebunden, die per Definition die Untersuchung von Sozialisations- und Kontexteffekten ausschlossen. Dies wurde auch unter anderem von dem Bielefelder Kognitionspsychologen  Odmar Neumann kritisiert: Menschen entwickeln,  so ist aufgrund von neuropsychologischen Untersuchungen anzunehmen,  komplexe Fähigkeiten (Skills) im Rahmen der Handlungsplanung und Handlungsdurchführungen Primärhandlungen von Sekundärhandlungen zu trennen, in dem gezielte Inhibitionsmechanismen aktiviert werden, die über Trainingsvorgänge geschult werden.

Anstatt über evolutionär-strukturelle Grenzen oder Berechenbarkeit menschlicher Handlungen und „Maschinisierung des Menschen“ zu philosophieren (wie Maresch), oder den Untergang des romantisch-verklärten Feuilleton Abendlandes zu beschwören, sich aber gleichzeitig tumb von medialen Neuerungen anfixen lassen  (Schirrmacher) sollten wir empirisch erforschen, wie die Fähigkeit zur Handlungskoordination verbessert werden kann, da nur ein Mensch ohne Handlungskoordination und Selbstwirksamkeit einer „Flut“ erliegt und ergründen, welche weiteren Formen von Kompetenzen die von Schirrmacher beschriebene mediatisierte Gesellschaft impliziert. Mit anderen Worten: wir sollten kritisch-realistisch den Mediennovellierungen gegenüberstehen.

26.11.2009

Der Danke-Film

von Steffen Lepa

Auf eine wirklich gewitzte tolle Idee aus einer schwedischen Medienkampagne zum Bezahlen der Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bin ich heute früh gestoßen: Einerseits wird damit zur Reflektion über die Wirklichkeit der Medien angeregt, andererseits wird man bestens unterhalten und schließlich wird noch die intendierte Botschaft eindringlich kommuniziert. Ich wünsche viel Spaß und man sollte ein möglichst hochauflösendes Porträtfoto einspeisen und sich dann überraschen lassen:

Link

17.10.2009

McLuhan zum Hören

von Steffen Lepa

Bei Recherchen habe ich gerade zufällig entdeckt, dass die Columbia Records Schallplattenversion von Marshall McLuhans „The Medium is the Massage“ (1967) im Web unter dieser Adresse kostenlos zu bekommen ist.

01.10.2009

Von Braga nach Gießen..

von Steffen Lepa

.. ging es Anfang dieser Woche. Dort fand an der Justus-Liebig-Universität die Jahrestagung 2009 der Kommission „Qualitative Bildungs- und Biographieforschung“ der Sektion „Allgemeine Erziehungswissenschaft“ der DGfE statt.

Highlights dieser Tagung zum Thema „Qualitative Bildungsforschung und Methodentriangulation“ (die wohl leider nicht in Buchform publiziert werden wird) waren für mich:

Während Flick den manchmal beobachtbaren, aus seiner Sicht fahrlässigen Pragmatismus der Mixed-Methods-Vertreter kritisierte und für eine Revision von Denzins Überlegungen eintrat, wies Anna Brake darauf hin, dass es auch neuere Ansätze in der internationalen Debatte gäbe, Mixed-Methods auf ontologisch-epistemologische Füße zu stellen (die sie allerdings nur kursorisch anriss), beklagte jedoch auf der anderen Seite die immer noch verbliebenen methodologisch-theoretischen Probleme, wie Subordination des einen unter den anderen Zugang und der „Quarrel“ mit der Validitätsfrage. Insofern konzentrierten sich die beiden in Ihren Keynote-Vorträgen auf den spannendsten Aspekt des Triangulationsbegriffs, nämlich die Entwicklung zu einer integrativen Sozialforschung.

Von den Keynotes abgesehen war aber der Vortrag von Treumann meines Erachtens der einzige auf der Konferenz, welcher wirklich ernsthaft quantitatives mit qualitativem Denken zu vermählen suchte, wenngleich mir natürlich nicht möglich war, alle Panels gleichzeitig zu besuchen. Jedoch ist auch diesem Ansatz eine metatheoretische Sorglosigkeit und ein gewisser Subordinationscharakter vorzuwerfen (von manchen Problemen auf der quantitativen Seite der Methodologie  einmal abgesehen).

Insgesamt entstand damit bei mir Eindruck, dass viele  der restlichen Vorträge eher umständlich bemüht versuchten, ihre sowieso entstandenen vornehmlich interpretativ-qualitativen Arbeiten (bedingt durch den Sektionshintergrund)  irgendwie unter dem Triangulationsbegriff zu verorten, was teils keineswegs überzeugen konnte.

Und: auch wenn Uwe-Flicks Plädoyer eher in die Gegenrichtung zielte, scheint mir nach einiger Reflektion und Diskussion mit Kollegen der Begriff der „Mixed-Methods“ inzwischen doch tragfähiger, weil damit aus meiner Sucht unsinnge (da eigentlich für zumindest mein Arbeiten selbstverständliche) begriffliche Ideen wie „Forscher- “ oder „Theorien-Triangulation“ endgültig der Vergangenheit angehören, da sie keine relevanten Distinktionen produzieren. Ich plädiere daher vehement  für eine methodologisch-ontologisch reflektierte Revision des Mixed-Method Begriffs. In meiner Dissertation habe ich dazu umfangreiche metatheoretische Überlegungen angestellt, die sich an der Wissenschaftsphilosophie des Kritischen Realismus anlehnen. Hätte ich eher von dem Call zur Tagung erfahren, hätte ich diese gerne dort dargestellt.

Zu Alex Geimers Vortrag ist (neben der Tatsache, dass er fast als einziger Powerpoint sinnvoll einzusetzen vermochte, nicht mit Beispielen geizte und  mit Interesse und positivem Feedback aufgenommen wurde)  zu sagen, dass mich das Konzept ja bekanntlich überzeugt, wenn auch ich einige Probleme mit den Begrifflichkeiten (nicht: dem Vorgehen und theoretischen Grundüberlegungen) seines 4-Felder-Schemas zu Praktiken der Filmaneignung sehe, die ebenfalls mit meinen kritisch-realistischen Grundannahmen zusammenhängen. Da auch ein anderer Teilnehmer im Panel hier offensichtlich der  teilweise „misleading“  Terminologie anheim fiel, hoffe ich, dass Alex nochmal drüber reflektiert oder dies vielleicht in einem Paper nochmal klarstellt.

Insgesamt waren die drei Tage für mich ein interessanter Einblick in aktuelle Arbeitsweisen qualitativ-interpretativer Bildungsforschung, wohingegen die Konferenz in Bezug auf das eigentliche Konferenzthema eher enttäuschte.

25.09.2009

Conference-Review

von Steffen Lepa

Drei Tage CICOM 2009 gehen zu Ende und somit ist es Zeit für einen kritischen Rückblick.  Zunächst sind die Sternstunden der Konferenz zu berichten:

Peter Golding von der Loughborough University, UK räumte in seinem Vortrag mit einigen wichtigen positiven Vorurteilen über die Folgen des Internets und der Einführung neuer Medien für die politische und demokratische Kultur auf. So konnte er überzeugend zeigen, dass die Vielfalt der Informationsquellen keineswegs zu einer größeren Meinungsvielfalt führt, dass der Internet-Journalismus Mainstreaming-Effekte eher verstärkt und dass durch das Phänomen der Digitalen Spaltung nur wenige Informationseliten an dem Segen der neuen Technologien teilhaben können.

John Cawood von der Manchester Metropolitan University, UK berichtete von  Ergebnissen  einer qualitativen Studie über jugendliche Produzenten von „Tracks“ und bezog diese theoretisch auf Ideen von Walter Benjamin, mit ganz ähnlichen Ergebnissen, wie ich in meinem Paper zusammen mit Malte Pelleter argumentiere. Er kann allerdings empirisch argumentieren und zeigt zusätzlich die gewachsene Bedeutung des Internets beim „Sampling-Cycle“ und dem „Crate-Digging“ auf. Ich bin sehr gespannt auf die Publikation.

Floyd Merrell von der Purdue University, Indiana, USA überraschte schließlich mit einem sehr metaphysisch angehauchten Vortrag, in dem er versuchte, die Peircesche Zeichentheorie in Verbindung mit Buddhistischer Logik zu bringen.

Ansonsten gab es  auf der Konferenz zwei dominierende Themengebiete: Die (meist männlichen)  Spanier und Portugiesen sind völlig fasziniert von Metaphern und Metonomien und untersuchen diese aus unterschiedlichsten Perspektiven. Die vornehmlich weiblichen Kollegen aus Osteuropa widmen sich dagegen scheinbar vornehmlich der kritischen Diskursanalyse.

Leider sehr negativ aufgefallen sind mir die zahlreichen, auf der Konferenz auftretenden Kolleginnen und Kollegen aus der Türkei. Einerseits waren sie methodologisch durch die Bank mehr als schlecht, andererseits extrem normativ durchsetzt. Drittens war ihr Englisch grottig und sie hatten offensichtlich auch keine Lust auf Diskussion.  Das ist sehr schade, und wenn diese Auftritte repräsentativ für die türkische Kommunikationswissenschaft sein sollten, ist das sehr zu bedauern.

Was die Organisation der Konferenz angeht, so war ich mir mit allen anderen nicht-portugiesischen Gästen über zwei Kritikpunkte einig: Auf einer internationalen Konferenz sollten alle Vorträge ausschließlich in Englisch sein und die Chairs sollten ebenfalls dieser Sprache mächtig sein. Zweitens hätte das Review-Verfahren ODER der thematische Rahmen der Konferenz etwas strenger sein können und somit die Anzahl der parallelen Panels stark reduziert werden sollen. Ansonsten fühlten wir uns aber sehr freundlich aufgenommen und gut betreut. Kompliment an die Organisatoren!

Ansonsten war ein Highlight meines Besuches in Braga neben dem „Kaiserwetter“ noch das Jazz-Concert des „Manuel Beleza Terzeto„, die astreine Swing und NuJazz Nummern mit portugiesischem Einschlag zum Besten gaben. Seit den Doors habe ich lange nicht mehr einen B3-Organisten gesehen, der derart pulsierende Bass-Patterns bei gleichzeitiger Improvisation zu spielen in der Lage war.

Soweit erstmal mein Vorab-Review, ich werde es in den kommenden Tagen noch durch Hyperlinks, Fotos, Videos und Kommentare ergänzen.

23.09.2009

Heute habe ich auf der internationalen kommunikationswissenschaftlichen Konferenz CICOM 2009 in Braga, Portugal an der Katholischen Universität Portugals in einem Panel-Vortrag einige entscheidende theoretische Argumentationslinien meiner Dissertation vorgestellt. Zu einer tieferen Diskussion ist es leider nicht gekommen, da ein Großteil des Publikums sowie auch der Chair  nicht wirklich der englischen Sprache mächtig war. Ich finde es fragwürdig, eine internationale Konferenz zu veranstalten, aber dennoch portugiesische, französische und spanische Vorträge zuzulassen und portugiesische Chairs, was bringt das? Mir war es relativ egal, mein Vortrag lief gut und wurde interessiert aufgenommen, aber für den wissenschaftlichen Diskurs und vor allem die Nachwuchswissenschaftler aus Portugal scheint mir das eher schädlich.

Ansonsten ist Portugal recht hübsch und niedlich, außerdem ein angenehmes Klima zur Zeit (26 Grad und blauer Himmel durchgehend), es mutet etwa wie Nordspanien an, ist allerdings deutlich dichter besiedelt. Vielleicht komm ich in den kommenden Tagen noch dazu, hier ein paar Fotos einzustellen. Achja, positiv ist mir noch aufgefallen: Gestern feierte man hier den „Tag der europäischen Mobilität“, dadurch war der komplette Nahverkehr kostenlos, was meinen Geldbeutel recht gut getan hat.

Lustig klischeemäßig ist hier auch die Vorstellung von Pünktlichkeit, so stand ich heute programmgemäß um 8h vor den Pforten der „Fakuldade Philosophica“, da mein Vortrag gleich im ersten Panel stattfinden sollte. Jedoch gingen die Tueren erst gegen 8:40h auf, als ein sichtlich gestresster Assistent Professor im offensichtlich neuen blauen Blazer eintraf und hektisch öffnete und mit ein paar völlig übermüdeten Erstsemesterstudentinnen chaotisch anfing, die Tische aufzubauen. Naja, es ist hier wohl die erste Konferenz jener Art und ich will mal nicht mäkeln, die legere Art der Portugiesen passt ja irgendwie zum Klima, dass ich jetzt umso mehr genießen kann, da mein Vortrag gehalten ist…

13.09.2009

Freiheit statt Angst

von Steffen Lepa

Mit teilweise geschätzt bis zu 25 000 Teilnehmern war die gestrige Demonstration eines breiten Bündnisses aus NGOs, Parteien und Gewerkschaften zur Stärkung der Bürgerrechte und gegen Tendenzen der Gesetzgebung der letzten Jahre zu einem „Überwachungsstaat“ eine sehr erfolgreiche Aktion mit breitem Medienecho und unter einem guten Motto. Leider kam es am Rande der ansonsten größtenteils friedlichen Veranstaltung auch zu einzelnen gewalttätigen Ausschreitungen.

Im „Zentrum für Medien und Interaktivität“ der Justus-Liebig-Universität Gießen fand am 9. Juli diesen Jahres eine sehr interessante Diskussion in der Wissenschaftslounge zum Thema „Wem gehört das Wissen?“ mit hochkarätigen Gästen statt (u. a. der mir vom Lüneburger Hyperkult bereits positiv bekannte „kritische Informatiker“ Wolfgang Coy). Für bisher nicht mit diesem für die Zukunft der Wissenschaft in Deutschland hochbrisanten Thema vertraute Leser empfehle ich das ebenfalls vom ZMI publizierte Kurzdossier zum Thema.

« Vorherige Seite