.. demonstriert, wer  könnte es auch anders sein, mir heute die DB AG in Bezug auf Ihr Angebot Call-a-Bike. Bis letztes Jahr konnte man auf einfache Weise in Berlin an fast jeder größeren Straßenecke ein Fahrrad mit Hilfe des Handys ausleihen, zur Überbrückung kleinerer oder größerer Strecken nutzen und dann komfortabel wieder an einer Straßenecke abgeben. Das funktionierte im gesamten S-Bahn-Ringgebiet, also praktisch in der gesamten (riesigen) Berliner Innenstadt.

Und nun das: Heute bekomme ich eine Newsletter-Mail, in der mir als „Fortschritt“ verkauft werden soll, was ein Rückschritt und vor allem den Untergang des in Berlin sehr erfolgreichen Prinzips bedeuten soll. Von nun an, können Räder nur noch an bestimmten „Stationen“ ausgeliehen und zurückgegeben werden. Schaut man auf die dazu gereichte Übersichtskarte zum Stationsausbau, stellt man fest, dass die Stationen anfangs ausschließlich in Berlin-Mitte (gemeint ist der alte, also sehr kleine Bezirk), nach „Ausbau“ dann „sogar noch“ in Prenzlauer Berg und Friedrichshain geplant sind.  Achja, und überhaupt dauert das noch ne Weile, so dass ich erst einen Monat später als in anderen Städten Bikes ausleihen kann.  Ich fasse also zusammen: Erstmal führt die neue Idee dazu, dass die Räder erst später als sonst im Jahr verfügbar sind (schön auch für Leute, wie mich die ne Jahrespauschale gezahlt haben).  Dann wird das Gebiet, in dem ich überhaupt Räder ausleihen kann, erstmal extrem verkleinert. Die Rückgabe wird (noch schlimmer) auf ein ebenfalls winziges Gebiet verkleinert. Und ich muss plötzlich überlegen: Ist an meinem Fahrtziel irgendwo eine Station in der Nähe? Das macht aus einem sehr flexiblen Angebot ein extrem unflexibles. 30 Stationen soll es wohl geben (nach final erfolgtem Ausbau). Und die Preise für das verschlechterte Angebot bleiben natürlich gleich. Ach nein, das ist noch gar nicht alles, als Besitzer einer Bahncard zahle ich jetzt plötzlich genau so viel wie als nicht-Besitzer. Super, da wird Kundentreue also richtig belohnt.

gentrifizierte Kunden gemäß des Geschmacks der DB AG

gentrifizierte Kunden gemäß des Geschmacks der DB AG

Und was schreibt mir die Bahn dazu (Zitat): „mit dem Forschungsprojekt StadtRAD Berlin haben wir im vergangenen Jahr ein neues Fahrradvermietsystem mit Funktechnik getestet. Überzeugt hat unsere Tester vor allem die vereinfachte Entleihe und Rückgabe der Räder, der Wegfall von Öffnungs- und Quittungscodes sowie die Möglichkeit, Räder auch ohne Telefon direkt über ein Terminal zu mieten.“

Ja klar. Wer hat heutzutage auch schon ein Telefon dabei? (!!!) Und ja, es war ja auch ziemlich stressig, sich den Code zu merken, er wurde einem ja nur per SMS gesendet. (!!!) Und vereinfachte Rückgabe? Was ist damit gemeint? Das ich jetzt ne Station ewig suchen muss, bis ich das Rad zurückgeben kann?

Also aus meiner Sicht ist der Fall klar: Hier hat ein System mal so gut funktioniert, dass es dringend abgeschafft werden musste. Ich vermute mal, viele haben es einfach sehr gerne für kleine Strecken in Anspruch genommen und es war halt preislich günstig.  Dadurch entstand einfach nicht genügend Gewinn. Zu wenig Abzocke-Mehrwert im Vergleich zu anderen DB-Leistungen. Achja. Stimmt ja, die Bahn ist ja „privat“.  Und dann muss man natürlich ordentlich  Gewinn mit sowas machen, versteht sich.  Mobilität und eine autofreie Stadt Berlin (feinstaubbelastet!) fördern? Ach was, da wollen wir zusätzlich staatliche Anreize für sehen. Ach, wir gehören dem Staat? Und der hat angeblich solche Ziele? Aber das ist uns doch egal, wir sparen Öffentlichen Nahverkehr kaputt und gehen lieber an die Börse…

Wer in diesem Beitrag Ironie und Sarkasmus gefunden haben sollte, möge sie behalten. Ich gebe jedenfalls meine BC in diesem Jahr zurück.

07.03.2011

.. zwischen München, Hamburg, Leipzig und Berlin?

Dies lässt sich wunderschön an folgenden Fotos der „Pro-Guttenberg“-Demos vom letzten Samstag illustrieren:

München

München

Hamburg
Hamburg
Leipzig

Leipzig

Berlin

Diese Frage muss man inzwischen wirklich ernsthaft stellen. Auf der einen Seite fabriziert Ihr Shows in übelster Boulevard-Manier (vgl. die Kommentare von Christian Floto / Deutschlandfunk und Christopher Keil / SZ, wie auch den Bericht bei ZAPP über den Lierhaus-Auftritt), Samstag-Abend-Shows auf dem Niveau von Kinderfernsehen und macht Euch durchgehend zum Cross-Promoter der BILD-Zeitung. Auf der anderen Seite lasst Ihr Euch, wenn Leute bei Euch wirklich mal gute, politische und kritische Sendungen produzieren, massiv von Politik und Lobbyisten reinreden, wie etwa im Fall von Frontal21 oder der Heute-Show. Und dann wundert Ihr Euch, dass die Privaten (die Boulevard, Billig und Skandal eben besser können) Euch abhängen? War da nicht was mit nem gesellschaftlichen (Bildungs-)Auftrag? Die ARD hat das (abgesehen von ihrer neuen Sendezeit-Politik) ganz gut begriffen. Aber Ihr? Demnächst kommt ja nun wohl die GEZ-Steuer, spätestens dann hoffe ich auf Besserung. Denn was hilft die schönste Online-Mediathek, was ein niegelnagelneues Nachrichtenstudio, wenn einfach kein brauchbarer, spannender und seriöser Content produziert wird?

http://www.youtube.com/watch?v=R8SV-UPZPeY&feature=related
15.01.2011

.. waren das Thema einer durch die AG Populärkultur der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) an der Hochschule für Musik und Tanz Köln am letzten Wochenende durchgeführten Tagung. Leider konnte ich aufgrund eines anderen Vortrages am LoE-Cluster nur Teile der Präsentationen am Eröffnungstag sehen. Wie ich hörte, hat aber Lothar Mikos die Tagung in seiner Keynote mit einem Plädoyer für Interdisziplinarität und Mixed Methods eröffnet – was ich natürlich nur ausdrücklich befürworten kann. Ansonsten konnte ich aber einige sehr spannende Vorträge genießen, was mir insbesondere auffiel, war die Leidenschaft, mit der eigentlich alle Vortragende ihre Themen präsentierten – PopulärkulturforscherInnen wird ja häufig die mangelnde Distanz zu ihren Themen vorgeworfen. Wenn dies allerdings gleichzeitig bedeutet, dass sie ihre Themen mit Leidenschaft und Herzblut präsentieren und diskutieren wie in Köln- könnte es sich lohnen dies zunächst mal in Kauf zu nehmen. Mangelnde persönliche Distanz muss ja nicht mangelndes Methodenbewusstsein und mangelnde Systematik bedeuten. Sind nicht vielleicht wissenschaftliche Methoden (insbesondere die empirischen) geradezu darauf ausgerichtet, auch bei einem Gegenstand, der einen betrifft, anrührt, mitnimmt, den eigenen Blick zu reflektieren und systematisieren? Wenn „uns“ an Phänomenen der Populärkultur interessierten ForscherInnen das schlüssig gelänge, habe ich keine Bedenken für die Zukunft der Populärkulturforschung – auch als empirische Forschungsrichtung. Die Diskussion dieser und anderer Fragen lässt sich in dem bald erscheinenden Tagungsband nachlesen, zu dem ich auch einen Beitrag beisteuern werde, welcher sich auf die zur Zeit vor allem in Großbritannien zu beobachtenden Tendenzen zur methodologischen Verbindung von Wahrnehmungsökologie und Musiksoziologie bezieht und  den ich am Schluss der Tagung präsentiert habe.

Update: Es gibt eine Rezension der Tagung beim Landesmusikrat NRW. Mein kurzfristig für den Vortrag ausgesuchtes Klangbeispiel scheint ein sehr viables Mem zu sein 😉

22.07.2010

Der enTourage eDGe ist eine Mischung aus Tablet PC und eReader. Ich bin gespannt auf erste Tests, insbesondere was Usability und Batterielaufzeit angeht. Ein erster Schritt zu einem mobilen wissenschaftlichen Arbeitplatz, bedenkt man die mögliche Kombination aus UMTS-Karte, Firefox, Zotero und Youtube.

12.12.2009

.. ist zur Zeit mein ganzer Stolz und ein Weihnachtgeschenk, dass ich mir selber gestern machte:

Schon länger plante ich die Anschaffung einer Teemaschine. Um den Genuss von grünem Tee zu optimieren braucht es aber zwischen 60-80 Grad heißes Wasser und das ist bei den in Deutschland erhältlichen Teemaschinen nicht zu machen, denn die kochen alle den Tee, oder basieren gar auf dem Samowar-Prinzip,  sind also eher für Schwarzteetrinker geeignet.

Dieses Produkt, welches ich gestern in einem Discount-Markt in der Nähe  (will keine Werbung machen)  zum Schnäppchen-Preis erstand,  ist nun zwar nur ein Halbautomat, man muss also selber die Ziehzeit überwachen, aber bietet genau jene Funktion: Das Wasser wird auf Wunsch nicht gekocht, sondern nur auf 70 Grad erhitzt, der kostbare grüne oder weiße Tee also nicht verbrüht und dennoch kann 30 Minuten (neustartbar)  eine konstante Temperatur gehalten werden.  Der Geschmack des Tees ist einfach ein Traum (mild und würzig zugleich) und der abwaschbare Dauerteefilter tut sogar noch was für die Umwelt. Alles was mir jetzt noch zu meinem Teetrinker-Glück fehlt, ist eine simple und schnelle Methode, das harte kalkige Berliner Wasser vorzufiltern.

Edit: Mit Essig kochen und dann nachspülen gehts!

26.11.2009

Der Danke-Film

von Steffen Lepa

Auf eine wirklich gewitzte tolle Idee aus einer schwedischen Medienkampagne zum Bezahlen der Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bin ich heute früh gestoßen: Einerseits wird damit zur Reflektion über die Wirklichkeit der Medien angeregt, andererseits wird man bestens unterhalten und schließlich wird noch die intendierte Botschaft eindringlich kommuniziert. Ich wünsche viel Spaß und man sollte ein möglichst hochauflösendes Porträtfoto einspeisen und sich dann überraschen lassen:

Link

24.09.2009

Beamerwahnsinn

von Steffen Lepa

Zwischennotiz:

Ich frage mich, ob es irgendein Organisator oder Veranstalter von Tagungen, Vorlesungen oder Kongressen, oder gar ein/e Vorlesende hinbekommt zu raffen, wie Videos unter Windows a) in Powerpoint Praesentationen eingebunden werden muessen und b) auch im Clone-Modus der Grafikkarte im Overlay-Modus  funktionieren. Es ist wie ein weltweiter Running-Gag, der uns scheinbar auch noch in die anbrechenden 10er Jahre erhalten bleiben wird. Medienkompetenz von 99% vortragender „Medienwissenschaftler“ gleich Null. Vertretern anderer Disziplinen verzeihe ich es noch ein wenig, aber auch da bleibt der alte Werbeclaim gueltig: Er/sie haette jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt, bevor er/sie meint, unbedingt ein Video in seiner Powerpoint-Praese implementieren zu muessen.

10.08.2009

Dance your Ph.D.

von Steffen Lepa

Schöne Aktion von den gonzolabs aus den USA: Wissenschaftler tanzen Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse vor. Leider handelt es sich vorwiegend um Naturwissenschaftler, ich würde etwas ähnliches für deutsche Geistes- und Sozialwissenschaftler vorschlagen, vielleicht dann eher mit Rock- oder Electro-Musik.

« Vorherige Seite