27.04.2011

Dancecult-Journal

von Steffen Lepa

Und mal wieder was noch nicht gekannt und bei Recherchen entdeckt: Seit drei Jahren gibt’s mit dancecult nun  ein Peer-Reviewed Journal zum Themenbereich „Electronic Dance Music Culture Studies“. Inhaltlich scheint es mir teilweise hochinteressant zu sein, die Autoren stammen schwerpunktmäßig aus Australien und Kanada. Aktueller CfP ist zum Thema „The Exodus of Psytrance?“. Ich werde mal reinlesen und dann ggf. hier von den Ergebnissen berichten.

.. demonstriert, wer  könnte es auch anders sein, mir heute die DB AG in Bezug auf Ihr Angebot Call-a-Bike. Bis letztes Jahr konnte man auf einfache Weise in Berlin an fast jeder größeren Straßenecke ein Fahrrad mit Hilfe des Handys ausleihen, zur Überbrückung kleinerer oder größerer Strecken nutzen und dann komfortabel wieder an einer Straßenecke abgeben. Das funktionierte im gesamten S-Bahn-Ringgebiet, also praktisch in der gesamten (riesigen) Berliner Innenstadt.

Und nun das: Heute bekomme ich eine Newsletter-Mail, in der mir als „Fortschritt“ verkauft werden soll, was ein Rückschritt und vor allem den Untergang des in Berlin sehr erfolgreichen Prinzips bedeuten soll. Von nun an, können Räder nur noch an bestimmten „Stationen“ ausgeliehen und zurückgegeben werden. Schaut man auf die dazu gereichte Übersichtskarte zum Stationsausbau, stellt man fest, dass die Stationen anfangs ausschließlich in Berlin-Mitte (gemeint ist der alte, also sehr kleine Bezirk), nach „Ausbau“ dann „sogar noch“ in Prenzlauer Berg und Friedrichshain geplant sind.  Achja, und überhaupt dauert das noch ne Weile, so dass ich erst einen Monat später als in anderen Städten Bikes ausleihen kann.  Ich fasse also zusammen: Erstmal führt die neue Idee dazu, dass die Räder erst später als sonst im Jahr verfügbar sind (schön auch für Leute, wie mich die ne Jahrespauschale gezahlt haben).  Dann wird das Gebiet, in dem ich überhaupt Räder ausleihen kann, erstmal extrem verkleinert. Die Rückgabe wird (noch schlimmer) auf ein ebenfalls winziges Gebiet verkleinert. Und ich muss plötzlich überlegen: Ist an meinem Fahrtziel irgendwo eine Station in der Nähe? Das macht aus einem sehr flexiblen Angebot ein extrem unflexibles. 30 Stationen soll es wohl geben (nach final erfolgtem Ausbau). Und die Preise für das verschlechterte Angebot bleiben natürlich gleich. Ach nein, das ist noch gar nicht alles, als Besitzer einer Bahncard zahle ich jetzt plötzlich genau so viel wie als nicht-Besitzer. Super, da wird Kundentreue also richtig belohnt.

gentrifizierte Kunden gemäß des Geschmacks der DB AG

gentrifizierte Kunden gemäß des Geschmacks der DB AG

Und was schreibt mir die Bahn dazu (Zitat): „mit dem Forschungsprojekt StadtRAD Berlin haben wir im vergangenen Jahr ein neues Fahrradvermietsystem mit Funktechnik getestet. Überzeugt hat unsere Tester vor allem die vereinfachte Entleihe und Rückgabe der Räder, der Wegfall von Öffnungs- und Quittungscodes sowie die Möglichkeit, Räder auch ohne Telefon direkt über ein Terminal zu mieten.“

Ja klar. Wer hat heutzutage auch schon ein Telefon dabei? (!!!) Und ja, es war ja auch ziemlich stressig, sich den Code zu merken, er wurde einem ja nur per SMS gesendet. (!!!) Und vereinfachte Rückgabe? Was ist damit gemeint? Das ich jetzt ne Station ewig suchen muss, bis ich das Rad zurückgeben kann?

Also aus meiner Sicht ist der Fall klar: Hier hat ein System mal so gut funktioniert, dass es dringend abgeschafft werden musste. Ich vermute mal, viele haben es einfach sehr gerne für kleine Strecken in Anspruch genommen und es war halt preislich günstig.  Dadurch entstand einfach nicht genügend Gewinn. Zu wenig Abzocke-Mehrwert im Vergleich zu anderen DB-Leistungen. Achja. Stimmt ja, die Bahn ist ja „privat“.  Und dann muss man natürlich ordentlich  Gewinn mit sowas machen, versteht sich.  Mobilität und eine autofreie Stadt Berlin (feinstaubbelastet!) fördern? Ach was, da wollen wir zusätzlich staatliche Anreize für sehen. Ach, wir gehören dem Staat? Und der hat angeblich solche Ziele? Aber das ist uns doch egal, wir sparen Öffentlichen Nahverkehr kaputt und gehen lieber an die Börse…

Wer in diesem Beitrag Ironie und Sarkasmus gefunden haben sollte, möge sie behalten. Ich gebe jedenfalls meine BC in diesem Jahr zurück.

.. zeigt eindrucksvoll ein ZEIT-Artikel incl. interaktivem PlugIn auf Basis der Handydaten des Grünen-Politikers Malte Spitz. Auf Basis dieser Problematik (Bewegungsprofile) wurde das Gesetz ja letztlich auch vom Bundesverfassungsgericht zu Recht gekippt.

Keine Frage, politische Initiativen, welche das Ansinnen haben, die Lesekompetenz und politische Bildung Heranwachsender zu fördern, werden immer meine prinzipielle Unterstützung finden. Die Pressemitteilung zur aktuellen Aktion von Kulturstaatsminister Neumann mit dem Titel  „Nationale Initiativ Printmedien lässt aber aus meiner Sicht nur zwei wenig schmeichelhafte Interpretationen des dahinter stehenden Ansinnens zu:

Entweder hat da jemand nicht verstanden, dass es um Lesen als Medienkompetenz und um politische Bildung mit dem Ziel aktiver Partizipation Jugendlicher  gehen sollte und nicht um die Förderung einer rückwärtsgewandten, Ressourcen-verrnichtenden und CO2 beeinträchtigenden Produktion bedruckten Papiers, die an der Lebenswelt Heranwachsender grundsätzlich vorbei geht und NICHTS, aber auch GAR NICHTS mit Stärkung von Medienkompetenz und noch weniger mit der Anregung zu aktuellen Formen politischer Partizipation  zu tun hat.  Sollte diese Deutung zutreffen, empfehle ich Herrn Neumann eine Beschäftigung mit aktueller medienpädagogischer Forschungsliteratur zum Thema.

Oder aber, und das wäre die bösere Interpretation, es geht Herrn Neumann sowieso in Wirklichkeit gar nicht um die Förderung politischer Beteiligung Heranwachsender, sondern um das, was diese Regierung nach Meinung einiger Journalisten und vieler Blogger von Anfang an auf vielen Gebieten betrieben hat: Klientelpolitik, hier in Form der Stärkung einer sterbenden Contentindustrie, welche selbstverschuldet und ignorant wichtige mediale Entwicklungen verschlafen hat und nun versucht sich hektisch mit immer wieder scheiternden paid-Content-Initiativen zu retten. Von dem eklatanten qualitativen Unterschied zwischen dem Kauf einer der sogenannten deutschen „Qualitätszeitungen“, deren Tagesgeschäft hauptsächlich darin besteht, im Stile ihrer vermeintlichen Leserschaft Agenturmeldungen unkritisch zu paraphrasieren, gegenüber der Möglichkeit, sich im globalen Maßstab kostenlos ein umfassendes, abgewogenes eigenes Bild politischen Handelns aus der Sicht ganz unterschiedlicher Medien, Blogger und Stakeholder zu machen (in anderen Ländern gibts ja teilweise gar noch investigativen Journalismus) – was wohl eher dem in der Presseerklärung hochgehaltenen Prinzip „Meinungsfreiheit“ und „Kompetenz“ entspräche, will ich hier noch nicht mal schreiben.

Kurzum: Welche der beiden Interpretationen man lieber folgen mag, überlasse ich dem politisch informierten Leser.

Nichtsdestotrotz: Die Grundidee der Initiative ist gut (ich will hier nicht alles madig machen), nur bei der Umsetzung und PR-Politik sollte man sich eben nicht von Lobbyisten oder Marketingvertretern, sondern besser von Medienpädagogen beraten lassen. Wie sonst kann man auf Formulierungen kommen, die sich mit „dem besonderen Wert des gedruckten Wortes“  befassen, oder meinen, dass „Printmedien unverzichtbar für die Demokratie“ wären. Marshall McLuhan hätte bereits vor 30 Jahren solche Aussagen mit recht als reaktionär und Ausdruck einer „Nachtwandlermentalität“ bezeichnet. Dem ist wenig hinzuzufügen.  Alles andere an der Aktion, insbesondere die Förderung von Lesekompetenz ist natürlich absolut unterstützenswert.

22.07.2010

Der enTourage eDGe ist eine Mischung aus Tablet PC und eReader. Ich bin gespannt auf erste Tests, insbesondere was Usability und Batterielaufzeit angeht. Ein erster Schritt zu einem mobilen wissenschaftlichen Arbeitplatz, bedenkt man die mögliche Kombination aus UMTS-Karte, Firefox, Zotero und Youtube.

22.07.2010

Heute möchte ich Ihnen ein paar praktische ZusatzplugIns für Zotero vorstellen, welches (zumindest für mich) sicher das wichtigste Tool zum wissenschaftlichen Arbeiten überhaupt zur Zeit ist. Diese Tools haben es für mich noch wertvoller gemacht, aber ich brauchte etwas Zeit um sie zu finden, was ich hiermit den geneigten Lesern ersparen möchte.

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Zotero Rename

PDF-Namen werden beim Import automatisch auf Basis der Zotero-Metadaten umbenannt. Außerdem Features für eigene Benennungskonventionen.  Spart sehr viel Zeit und Last, insbesondere, wenn man viel mit anderen PDFs tauscht.

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Zotero Export to Filesystem

PDFs können aus Zotero damit direkt auf einen Stick oder Laufwerk geschrieben werden, ohne den RDF-Export missbrauchen zu müssen. Leider bislang nur für ein File gleichzeitig, dennoch sehr praktisch, um mal schnell was mitzunehmen (Stick, eReader). Etwas älter, darum muss man evtl. vorher die Firefox-Akzeptanz etwas tweaken, um es auf neuem Browser zum laufen zu bekommen.

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Zotero Vertov

Erweitert die Zotero-Möglichkeiten um die Fähigkeit Video- und Audiofiles anzufügen, zu schneiden und zu annotieren. Super für alle Musik- und Filmwissenschaftler.

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Zotero Bibliography Locale Switcher

APA und andere Zitationsstile sind in Zotero auf die Landessprache abgestimmt. Manchmal soll das nicht sein (z. B. wenn man einen Artikel für ein amerikanisches Journal einreicht). Dieses Tool bietet die Lösung.

Ich würde mich freuen, wenn die Leser dieses Blogs mich bei meiner aktuellen Studie zu Musik und Emotionen unterstützen würden. Die Untersuchung soll dabei helfen, aus wissenschaftlicher Perspektive besser den alltäglichen Umgang von Menschen mit Musik zu verstehen. Bei Interesse bitte ich Sie, zunächst einen Online-Fragebogen auszufüllen, den Sie unter der Internet-Adresse

[Web-Survey inzwischen beendet]

finden können. Dort werden Sie am Schluss auch gebeten, Ihre Emailadresse zu hinterlassen, denn wir
haben vor, einige zufällig ausgewählte Teilnehmer/innen der Studie persönlich zu treffen, um sie zu
ihrem individuellen Umgang mit Musik im Alltag zu befragen. Für das etwa einstündige persönliche
Interview, das an einem Ort Ihrer Wahl stattfinden kann, erhalten Sie von uns 20 Euro
Aufwandsentschädigung.

Bitte leiten Sie den Link gerne auch an Freunde, Bekannte und andere Mailinglisten weiter,
insbesondere würde ich mich  auch über Teilnehmer freuen, die nicht aus dem studentischen Milieu
kommen (das ist ja oft eine Schwierigkeit). Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Steffen Lepa

24.02.2010

Neuer Job

von Steffen Lepa

Nach einigen Jahren an der Universität Oldenburg war es mal wieder Zeit, sich nach neuen Herausforderungen umzusehen. Seit dem 15. Februar bin ich daher nun Vollzeit-Mitarbeiter im Fachgebiet Audiokommunikation, Institut für Sprache und Kommunikation an der Technischen Universität Berlin und erforsche dort im Rahmen des Berliner Exzellenzclusters „Languages of Emotion„, welchen Einfluss Reproduktionstechnologien auf das Emotionsempfinden bei der Rezeption von technisch-medial reproduzierter Musik ausüben.

Interessantester Gesichtspunkt dieses Projekts ist für mich die Tatsache, dass die untersuchte Fragestellung an der interdisziplinären Schnittstelle von Mediensychologie, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Musikwissenschaft, Mediensoziologie, Psychoakustik und Medientechnik liegt. Eine besondere Herausforderung, der ich mich aber durch meine vielfältigen Erfahrungen in interdisziplinären Projektkontexten und der erfolgreichen Erarbeitung einer eigenen reflektierten wissenschaftstheoretischen Position im Rahmen meiner Dissertation hinreichend gewachsen fühle. Wenn es Neuigkeiten zum Projekt gibt, werde ich an dieser Stelle wieder darüber berichten.

14.02.2010

Das Auditive ist ein weites Feld und auch der Begriff der Kultur ist in seiner weiteren Fassung nahezu unbegrenzt anwendbar auf alles was Menschen überhaupt so tun. Dementsprechend breit waren auch die Themen der Vorträge auf der an der Universität Siegen abgehaltenen Konferenz „Auditive Medienkulturen – Methoden einer interdisziplinären Klangwissenschaft“ gelagert, die ich Ende letzter Woche besuchte.

Inhaltliche Quintessenz war für mich nach drei Tagen, dass noch nicht einmal die Grundzüge einer solchen neuen Wissenschaftsdisziplin namens „Klangwissenschaft“ festzustehen scheinen, dies wurde vor allem deutlich in den nicht so recht gelingen wollenden Versuchen der Abgrenzung von bereits etablierten Wissenschaftszweigen  wie bspw.  Musikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft oder Musiksoziologie. Eigentlich stellten viele nur die Sichtweise ihrer jeweiligen Herkunftsdisziplin dar. Auch Sabine Sanio als Vertreterin der an der Berliner UdK beheimateten Sound Studies gelang es lediglich zu vermitteln, welche Ratlosigkeit bei Ihr bezüglich des eigenen „Faches“ besteht (Klingt bösartig, aber so hat sie es selbst dargestellt) und sieht sich selbst offenbar dann doch eher als Kulturwissenschaftlerin.

Für mich war ferner frappierend, das ein Großteil der Vorträge sich weder mit grundlagentheoretischen Fragen, noch Methodologie befasste und insbesondere die Rezeptionsperspektive bzw. der soziale Gebrauch von Klängen aus meiner Sicht über die Tagung hinweg viel zu kurz kam. So ging es in vielen Vorträgen dann doch nur um Werkästhetik, was mich angesichts des Kulturbegriffs im Titel der Tagung doch verwunderte. Weitere Verwunderung löste bei mir als Sozialwissenschaftler die Verwendung des Methodenbegriffs in vielen Vorträgen aus, aber das ist halt wohl die geisteswissenschaftliche Perspektive, die mir doch etwas ferner ist.

Nichtsdestotrotz waren viele Vorträge durchaus sehr anregend und die Begründung einer neuen Wissenschaftsdisziplin (so spannend die Idee ist) hatte wohl auch niemand der Beteiligten ernsthaft erwartet. Weiterhin wäre die ausgezeichnete Organisation und sehr familiäre kollegiale Stimmung zu benennen, so dass die Tagung aus meiner Sicht ein voller Erfolg war. Ich glaube dennoch das mit etwa mehr Vorbereitungszeit (die Kostenübernahme kam leider wohl erst sehr zeitnah) noch mehr hätte rausgeholt werden können, etwa, in dem man engere Fragestellungen für die einzelnen Sessions vorgegeben hätte. Aber das kann ja noch kommen, immerhin war es meines Wissens eine Premiere in Deutschland überhaupt zum Thema Audio/Klang eine eigene medienwissenschaftliche Tagung abzuhalten. Daher: großes Lob und vielen Dank an die Veranstalter!

Netterweise wurden die Vorträge und anschließenden Diskussion auf Video mitgeschnitten, so dass interessierte Leser sich nun selber einen Eindruck verschaffen können. Hier mein persönliches Best-Of der Tagung mit einem Kurzkommentar zu jedem der Vorträge versehen (Die Streams laufen über externen Quicktime oder RealPlayer):


Jens Schröter / Axel Volmar (Siegen): Vom Klang und dem Hören zu sozio-technischen Netzwerken auditiver Medienkultur als Gegenstand klangwissenschaftlicher Forschung (Einführung)

Einführung in das Thema der Tagung und ihrer Fragestellung.


Rolf Großmann (Lüneburg): Die Materialität des Klangs und die Medienpraxis der Musikkultur – ein verspäteter Gegenstand der Musikwissenschaft

Wie üblich für Rolf Großmann ein sehr überzeugender und unterhaltsamer Vortrag, der allerdings für mich persönlich keine grundlegend neuen Einsichten brachte, aber dennoch der erste Lichtblick der Tagung war. Wichtig auch der Hinweis, sich besser der Fundierung einer AUDIO-Wissenschaft zu widmen, da der Klangbegriff doch eher zwiespältig besetzt ist.


Frank Schätzlein (Hamburg): Zwischen “Rundfunkwissenschaft” und “Sound Studies” – Klang als Gegenstand medienwissenschaftlicher Hörfunkforschung

Schätzlein gab eine Übersicht über die verschiedenen Forschungsgebiete und angrenzende Wissenschaftszweige, die sich mit Klang und akustischen Phänomenen beschäftigen. Für mich etwas unverständlich war das Ausklammern der Kommunikationswissenschaft und Publizistik im Forschungsüberblick bei gleichzeitigem Einbezug solcher doch durchaus entfernterer Bereiche wie Psychoakustik. Immer noch die alten Grabenkämpfe?


Jochen Venus (Siegen): Resonanzen und Reflexionen. Zur Problematik einer Semiotik des Akustischen

Das theoretische Highlight der Tagung. Ich persönlich glaube, dass mit Hilfe der Peirceschen Semiotik tatsächlich der theoretische Grundstein einer Audiowissenschaft gelegt werden könnte und werde selber versuchen in dieser Richtung weiter zu arbeiten.


Marcus S. Kleiner (Siegen): Die Taubheit des Diskurses. Zur Gehörlosigkeit der Soziologie im Feld der Musikanalyse

Wie so oft bei Marcus natürlich eine großartige Performance, aber auch inhaltlich wurden wichtige Sollbruchstellen bisheriger soziologisch inspirierter  Forschungsanstrengungen im Bereich des Auditiven benannt, zum Teil zuweilen vielleicht ein Stückweit zu pointiert, aber das kann im Grunde nicht schaden. Ich glaube persönlich (darum auch meine Rückfrage) dass die „Cultural Studies“ in ihrer real existierenden Form in Deutschland aufgrund ihres Saussureschen semiologischen Erbes und der Überbetonung des individuellen Handelns gegenüber determinierenden Strukturen allerdings dem Ansinnen der Begründung einer soziologischen Audioforschung wenig weiterhelfen werden, mal schaun, ob Marcus dazu eine Lösung finden wird.


Jan-Philip Müller (Weimar): Die Rille schließen, das Klangobjekt identifizieren: Die Politik des Geräuschs in Pierre Schaeffers Entwurf einer Musique Concrète und Walter Murchs Sound Design für THX 1138

Inhaltlich gar nicht mal sooo aufregend, dennoch aus meiner Sicht ein wichtiger Hinweis auf die Bedeutsamkeit von Michel Chions Audiovisions-Theorie für eine zu begründende Klangwissenschaft, der nun mal implizit Peircesche Semiotik innewohnt. Außerdem toll, mal THX in besserer Qualität und im Directors Cut gesehen und gehört zu haben, selber habe ich nur eine alte monophone VHS-Aufnahme aus den 90ern.


Thomas Wilke (Halle): Dispositiv ,Diskothek‘. Historisch-ethnographische Untersuchungen zur kollektiven Musikrezeption im popkulturellen Klangraum

Hier kam endlich einmal auch ganz plastisch die soziokulturelle Rezeptionsperspektive zum Tragen, allerdings fehlte mir ein wenig der große theoretische Wurf.  Aber als Work in Progress dennoch sehr spannend.


Golo Föllmer (Halle): Klingt nach Radio. Klangästhetische Untersuchungen des Radios im programmlichen, historischen und interkulturellen Vergleich

Dieser Vortrag war sicherlich am nächsten an meinem aktuellen Forschungsthema dran: Die Schnittstelle aus Psychoakustik, Ästhetik, Sozialisationsforschung und Musikpsychologie war hier Thema. Mir blieb zunächst etwas die konkrete Fragestellung unklar, es schien mir vieles was er darstellte auf Möglichkeiten der Transkription und Abbildung von Radiobetrieb hinauszulaufen (wie auch einer der Fragenden im Publikum meinte: Reverse Engineering). Der Wert jeder sozialwissenschaftlichen Analysetechnik kann aber meiner Meinung nach nur im Hinblick auf die je zu untersuchende Fragestellung bewertet werden, nicht absolut – und hierauf bezogen blieb der Vortrag für mich zumindest beim ersten Schauen schwammig.  Nach dem nochmaligen Schauen ist mir nun klarer worum es eigentlich geht: Anmutung, Sound, Klang einer Welle – es sind alles sprachliche Metaphern für etwas was wohl eher akustische  (Marken-)Identität eines Senders meint – und Golo Föllmer versucht gewissermaßen den Konstituenten dieser Identität im Klanglichen auf die Schliche zu kommen.  Ich glaube,  auch bei diesem Forschungsthema wäre es wichtig, stärker auf die Rezipientenseite zu schauen und nicht so sehr im Produkt und dessen Machart rum zu stochern, aber genau das will er auch wohl ohnehin methodisch  zukünftig tun, wenn ich ihn richtig verstanden habe.

12.12.2009

.. ist zur Zeit mein ganzer Stolz und ein Weihnachtgeschenk, dass ich mir selber gestern machte:

Schon länger plante ich die Anschaffung einer Teemaschine. Um den Genuss von grünem Tee zu optimieren braucht es aber zwischen 60-80 Grad heißes Wasser und das ist bei den in Deutschland erhältlichen Teemaschinen nicht zu machen, denn die kochen alle den Tee, oder basieren gar auf dem Samowar-Prinzip,  sind also eher für Schwarzteetrinker geeignet.

Dieses Produkt, welches ich gestern in einem Discount-Markt in der Nähe  (will keine Werbung machen)  zum Schnäppchen-Preis erstand,  ist nun zwar nur ein Halbautomat, man muss also selber die Ziehzeit überwachen, aber bietet genau jene Funktion: Das Wasser wird auf Wunsch nicht gekocht, sondern nur auf 70 Grad erhitzt, der kostbare grüne oder weiße Tee also nicht verbrüht und dennoch kann 30 Minuten (neustartbar)  eine konstante Temperatur gehalten werden.  Der Geschmack des Tees ist einfach ein Traum (mild und würzig zugleich) und der abwaschbare Dauerteefilter tut sogar noch was für die Umwelt. Alles was mir jetzt noch zu meinem Teetrinker-Glück fehlt, ist eine simple und schnelle Methode, das harte kalkige Berliner Wasser vorzufiltern.

Edit: Mit Essig kochen und dann nachspülen gehts!

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