25.09.2009

Conference-Review

von Steffen Lepa

Drei Tage CICOM 2009 gehen zu Ende und somit ist es Zeit für einen kritischen Rückblick.  Zunächst sind die Sternstunden der Konferenz zu berichten:

Peter Golding von der Loughborough University, UK räumte in seinem Vortrag mit einigen wichtigen positiven Vorurteilen über die Folgen des Internets und der Einführung neuer Medien für die politische und demokratische Kultur auf. So konnte er überzeugend zeigen, dass die Vielfalt der Informationsquellen keineswegs zu einer größeren Meinungsvielfalt führt, dass der Internet-Journalismus Mainstreaming-Effekte eher verstärkt und dass durch das Phänomen der Digitalen Spaltung nur wenige Informationseliten an dem Segen der neuen Technologien teilhaben können.

John Cawood von der Manchester Metropolitan University, UK berichtete von  Ergebnissen  einer qualitativen Studie über jugendliche Produzenten von „Tracks“ und bezog diese theoretisch auf Ideen von Walter Benjamin, mit ganz ähnlichen Ergebnissen, wie ich in meinem Paper zusammen mit Malte Pelleter argumentiere. Er kann allerdings empirisch argumentieren und zeigt zusätzlich die gewachsene Bedeutung des Internets beim „Sampling-Cycle“ und dem „Crate-Digging“ auf. Ich bin sehr gespannt auf die Publikation.

Floyd Merrell von der Purdue University, Indiana, USA überraschte schließlich mit einem sehr metaphysisch angehauchten Vortrag, in dem er versuchte, die Peircesche Zeichentheorie in Verbindung mit Buddhistischer Logik zu bringen.

Ansonsten gab es  auf der Konferenz zwei dominierende Themengebiete: Die (meist männlichen)  Spanier und Portugiesen sind völlig fasziniert von Metaphern und Metonomien und untersuchen diese aus unterschiedlichsten Perspektiven. Die vornehmlich weiblichen Kollegen aus Osteuropa widmen sich dagegen scheinbar vornehmlich der kritischen Diskursanalyse.

Leider sehr negativ aufgefallen sind mir die zahlreichen, auf der Konferenz auftretenden Kolleginnen und Kollegen aus der Türkei. Einerseits waren sie methodologisch durch die Bank mehr als schlecht, andererseits extrem normativ durchsetzt. Drittens war ihr Englisch grottig und sie hatten offensichtlich auch keine Lust auf Diskussion.  Das ist sehr schade, und wenn diese Auftritte repräsentativ für die türkische Kommunikationswissenschaft sein sollten, ist das sehr zu bedauern.

Was die Organisation der Konferenz angeht, so war ich mir mit allen anderen nicht-portugiesischen Gästen über zwei Kritikpunkte einig: Auf einer internationalen Konferenz sollten alle Vorträge ausschließlich in Englisch sein und die Chairs sollten ebenfalls dieser Sprache mächtig sein. Zweitens hätte das Review-Verfahren ODER der thematische Rahmen der Konferenz etwas strenger sein können und somit die Anzahl der parallelen Panels stark reduziert werden sollen. Ansonsten fühlten wir uns aber sehr freundlich aufgenommen und gut betreut. Kompliment an die Organisatoren!

Ansonsten war ein Highlight meines Besuches in Braga neben dem „Kaiserwetter“ noch das Jazz-Concert des „Manuel Beleza Terzeto„, die astreine Swing und NuJazz Nummern mit portugiesischem Einschlag zum Besten gaben. Seit den Doors habe ich lange nicht mehr einen B3-Organisten gesehen, der derart pulsierende Bass-Patterns bei gleichzeitiger Improvisation zu spielen in der Lage war.

Soweit erstmal mein Vorab-Review, ich werde es in den kommenden Tagen noch durch Hyperlinks, Fotos, Videos und Kommentare ergänzen.

23.09.2009

Heute habe ich auf der internationalen kommunikationswissenschaftlichen Konferenz CICOM 2009 in Braga, Portugal an der Katholischen Universität Portugals in einem Panel-Vortrag einige entscheidende theoretische Argumentationslinien meiner Dissertation vorgestellt. Zu einer tieferen Diskussion ist es leider nicht gekommen, da ein Großteil des Publikums sowie auch der Chair  nicht wirklich der englischen Sprache mächtig war. Ich finde es fragwürdig, eine internationale Konferenz zu veranstalten, aber dennoch portugiesische, französische und spanische Vorträge zuzulassen und portugiesische Chairs, was bringt das? Mir war es relativ egal, mein Vortrag lief gut und wurde interessiert aufgenommen, aber für den wissenschaftlichen Diskurs und vor allem die Nachwuchswissenschaftler aus Portugal scheint mir das eher schädlich.

Ansonsten ist Portugal recht hübsch und niedlich, außerdem ein angenehmes Klima zur Zeit (26 Grad und blauer Himmel durchgehend), es mutet etwa wie Nordspanien an, ist allerdings deutlich dichter besiedelt. Vielleicht komm ich in den kommenden Tagen noch dazu, hier ein paar Fotos einzustellen. Achja, positiv ist mir noch aufgefallen: Gestern feierte man hier den „Tag der europäischen Mobilität“, dadurch war der komplette Nahverkehr kostenlos, was meinen Geldbeutel recht gut getan hat.

Lustig klischeemäßig ist hier auch die Vorstellung von Pünktlichkeit, so stand ich heute programmgemäß um 8h vor den Pforten der „Fakuldade Philosophica“, da mein Vortrag gleich im ersten Panel stattfinden sollte. Jedoch gingen die Tueren erst gegen 8:40h auf, als ein sichtlich gestresster Assistent Professor im offensichtlich neuen blauen Blazer eintraf und hektisch öffnete und mit ein paar völlig übermüdeten Erstsemesterstudentinnen chaotisch anfing, die Tische aufzubauen. Naja, es ist hier wohl die erste Konferenz jener Art und ich will mal nicht mäkeln, die legere Art der Portugiesen passt ja irgendwie zum Klima, dass ich jetzt umso mehr genießen kann, da mein Vortrag gehalten ist…

18.09.2009

Summa Cum Laude

von Steffen Lepa

Am Dienstag habe ich  mit der Disputation erfolgreich mein Promotionsverfahren zum Doktor der Philosophie mit der Note „summa cum laude“ abgeschlossen. Im Schlusswort seines Gutachtens zu meiner Dissertationsschrift „Jenseits des Films. Quantitativ-inhaltsanalytische Rekonstruktion von filmischen Verstehens- und Aneignungsprozessen“ schreibt einer der Gutachter, Prof. Dr. Kittel:

Lepa hat mit dieser Dissertation einen anspruchsvollen und innovativen Forschungsansatz vorgelegt, der die letztlich unproduktiven Auseinandersetzungen der Methodendiskussion
hinter sich zu lassen verspricht und neue Standards setzt, nicht nur für die Medienrezeptionsforschung im engeren Sinn, sondern in allen Forschungsgebieten,
die sich mit der Rezeption von Medieninhalten auseinandersetzen.
Mit der vorgelegten Arbeit hat Herr Lepa die Anforderungen an eine Dissertation
mehr als erfüllt. Wegweisend ist sie insbesondere im Bereich der Konzeptentwicklung
und in den Vermittlungsbemühungen zwischen Wissenschaftstheorie,
inhaltlicher Theorie und Forschungsmethoden.

Ich werde mich nun in den nächsten Wochen um einen Verlag zur Publikation bemühen, wobei der Druckkostenzuschuss angesichts der gut 450 Seiten leider sicherlich happig werden wird..

Im „Zentrum für Medien und Interaktivität“ der Justus-Liebig-Universität Gießen fand am 9. Juli diesen Jahres eine sehr interessante Diskussion in der Wissenschaftslounge zum Thema „Wem gehört das Wissen?“ mit hochkarätigen Gästen statt (u. a. der mir vom Lüneburger Hyperkult bereits positiv bekannte „kritische Informatiker“ Wolfgang Coy). Für bisher nicht mit diesem für die Zukunft der Wissenschaft in Deutschland hochbrisanten Thema vertraute Leser empfehle ich das ebenfalls vom ZMI publizierte Kurzdossier zum Thema.

.. prangert Prof. Wolfgang Kleinwächter in einem beachtenswerten Artikel zu recht bei Telepolis an. Nur multilaterale und Multi-Stakeholder-Lösungen der Internet-Regulierung werden uns in diesem bereits von Kofi Anan als besonders komplexes Politikfeld beschriebenen zentralen Bereich unserer spätmodernen Lebensführung weiterbringen. Keinesfalls allerdings die momentanen wahlkampfbezogenen propagierten (teils m. E. n. verfassungsfeindlichen) Hauruck-Lösungen der Großen Koalition, die sich eher an die  Klientel der Offliner zu wenden scheinen und mit der Realität der Nutzer und der Nutzung wenig zu tun haben. Schlimmer noch: die deutschen Regierungen der letzten Jahre haben sich, wie Kleinwächter deutlich macht, an der internationalen Debatte überhaupt nicht beteiligt und damit wichtige Prozesse verschlafen. Schade! Bleibt zu hoffen, dass eine neue deutsche Regierung ab Ende September sich dieser wichtigen Themen endlich konstruktiv annimmt und Leute mit ins Boot holt, die sich damit auskennen..

10.08.2009

Dance your Ph.D.

von Steffen Lepa

Schöne Aktion von den gonzolabs aus den USA: Wissenschaftler tanzen Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse vor. Leider handelt es sich vorwiegend um Naturwissenschaftler, ich würde etwas ähnliches für deutsche Geistes- und Sozialwissenschaftler vorschlagen, vielleicht dann eher mit Rock- oder Electro-Musik.

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